Machtmaschine kontra Mensch
Der Zerfall des russisch-bolschewistischen Staatsgebildes, begleitet von bis heute nicht bewältigten Krisenphänomenen bis hin zu brutalen militärischen und terroristischen Aktionen, hat unseren Blick auch für künstlerische Reflexionen geschärft.
Um bei der Oper zu bleiben: Als Herbert Wernicke in Salzburg für Mussorgskys «Boris Godunow» auf einem riesigen Rundhorizont die Köpfe russischer Herrscher aus mehreren hundert Jahren bis hin zum heutigen Tag abbildete, wurde die politische Dimension des Dramas schlaglichtartig sichtbar gemacht: Nichts hat sich geändert, und nichts wird sich wohl ändern. Parallele Eindrücke ergaben sich bei zwei anderen Mussorgsky-Aufführungen: bei Juri Ljubimows Mailänder und bei Abbado/Kirchners Wiener Darstellung des Volksdramas «Chowanschtschina» in den achtziger Jahren. Seitdem sind den Werken die langen Bärte abgeschnitten worden, und Alt-Russland liegt ganz aktuell Grenze an Grenze mit der europäischen Union.
Eine adäquate szenische Aufführung der «Chowanschtschina», ohnehin nur für größere Opernhäuser logistisch zu bewältigen, bedeutet gleichwohl selbst für diese eine riskante Herausforderung. Im dritten Jahr der Intendanz von Bernd Loebe fühlte sich ...
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