Weniger ist mehr
Als nach der Premiere von Pietro Mascagnis «Iris» die letzten Gäste das Chemnitzer Opernhaus verlassen, ist vor der Fassade schon das Banner für den nächsten Spieltag festgezurrt. Die «Comedian Harmonists» kommen. Das szenisch in Deutschland zuletzt 1899 (!) aufgeführte Japan-Stück Mascagnis steht erst Ende März wieder auf dem Spielplan. Die Entdeckung muss warten. Bis dahin trifft Falco Amadeus, liegt Mister Jekyll mit Mister Hyde im Dauerclinch, und der kleine Horrorladen hat fast durchgehend geöffnet.
Auch die Csárdásfürstin bittet verschiedentlich zum Tanz – wenn nicht eine Kung Fu Show die Bühne okkupiert. Alltag in einem Vierspartenhaus, das vierhundertachtzig Mitarbeiter – darunter einhundertsechs Musiker und zweiundzwanzig Tänzer – beschäftigt, aber um jeden Besucher kämpfen muss.
«Unser Publikum ist kleiner geworden», sagt Bernhard Helmich, der neue, seit Sommer 2006 amtierende Generalintendant der Theater Chemnitz. «Es ist stark überaltert.» Das Problem ist nicht neu. Und es kann niemanden überraschen: Die einstmals prosperierende Industriestadt hat seit ihren besten Zeiten mehr als ein Drittel der Einwohner verloren. Rund 250 000 Menschen leben heute in Chemnitz. Es ...
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Da setzen zwei fränkische Theater fast zeitgleich Webers «Freischütz» auf den Spielplan, und beide Male fällt krankheitshalber der dafür engagierte Regisseur aus. Während in Würzburg als Einspringer Raik Knorscheidt mehr Zeit und zündende Einfälle hatte, um dem Konzept von Roland Velte (das dieser bereits 1994 in Halle realisiert hatte) den eigenen Stempel...
Als vor eineinhalb Jahren Giampaolo Vianello, Intendant des Teatro La Fenice, und Bürgermeister Massimo Cacciari mit düsteren Mienen vor den grünen Samtvorhang des Fenice traten, um gegen die schmerzhaften Mittelkürzungen für Italiens Opernhäuser durch die Berlusconi-Regierung zu protestieren, waren aus einer der Logen despektierliche Zwischenrufe zu vernehmen:...
Packendes italienisches Musiktheater in Deutschlands nördlichstem Opernhaus: In Flensburg stellte Jan-Richard Kehl, neuer Operndirektor des Schleswig-Holsteinischen Landestheaters, eine bemerkenswerte «Tosca» auf die Bühne, in der ungeschönt das enorme Aggressionspotenzial des Stücks freigelegt wurde. Ein Psychodrama der Brutalität und der sexuellen...
