Weniger ist mehr
Als nach der Premiere von Pietro Mascagnis «Iris» die letzten Gäste das Chemnitzer Opernhaus verlassen, ist vor der Fassade schon das Banner für den nächsten Spieltag festgezurrt. Die «Comedian Harmonists» kommen. Das szenisch in Deutschland zuletzt 1899 (!) aufgeführte Japan-Stück Mascagnis steht erst Ende März wieder auf dem Spielplan. Die Entdeckung muss warten. Bis dahin trifft Falco Amadeus, liegt Mister Jekyll mit Mister Hyde im Dauerclinch, und der kleine Horrorladen hat fast durchgehend geöffnet.
Auch die Csárdásfürstin bittet verschiedentlich zum Tanz – wenn nicht eine Kung Fu Show die Bühne okkupiert. Alltag in einem Vierspartenhaus, das vierhundertachtzig Mitarbeiter – darunter einhundertsechs Musiker und zweiundzwanzig Tänzer – beschäftigt, aber um jeden Besucher kämpfen muss.
«Unser Publikum ist kleiner geworden», sagt Bernhard Helmich, der neue, seit Sommer 2006 amtierende Generalintendant der Theater Chemnitz. «Es ist stark überaltert.» Das Problem ist nicht neu. Und es kann niemanden überraschen: Die einstmals prosperierende Industriestadt hat seit ihren besten Zeiten mehr als ein Drittel der Einwohner verloren. Rund 250 000 Menschen leben heute in Chemnitz. Es ...
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Das sogenannte Regietheater ist in Verruf geraten. Immer häufiger werden seine Verfechter, zumal wenn es um das Kernrepertoire der Oper geht, nicht nur vom Publikum, sondern auch von Kritikern an den Pranger gestellt. Was vor rund vierzig Jahren als Rebellion gegen ein katechetisches Deutungsprimat begann, das unter Regie im Wesentlichen die Schaffung dekorativer...
Als vor eineinhalb Jahren Giampaolo Vianello, Intendant des Teatro La Fenice, und Bürgermeister Massimo Cacciari mit düsteren Mienen vor den grünen Samtvorhang des Fenice traten, um gegen die schmerzhaften Mittelkürzungen für Italiens Opernhäuser durch die Berlusconi-Regierung zu protestieren, waren aus einer der Logen despektierliche Zwischenrufe zu vernehmen:...
Von Adolphe Adams über siebzig Opern und Balletten sind nur die unsterbliche «Giselle» und der Tenor-Hit des «Postillons von Lonjumeau» der Furie des Vergessens entgangen. Jetzt hat Bielefeld den «Toréador» ausgegraben, eine 1849 uraufgeführte und in Deutschland anscheinend noch nie gespielte Opéra comique. Die Handlung bedient sich des Schemas der erotischen...
