Röntgenblicke auf Elektra
Trotz des aufgebotenen Riesenorchesters ist die «Elektra» von Hofmannsthal und Strauss ein psychologisches Kammerspiel, dessen feine Nuancen nach dem aufmerksamen Kamera-Auge verlangen. Vier beinahe zeitgleich veröffentlichte DVD-Mitschnitte von Produktionen aus einem Vierteljahrhundert ziehen unsere Aufmerksamkeit auf dramatische und darstellerische Details, die im Theater im Allgemeinen unbeachtet bleiben.
Das gilt allerdings nur bedingt für den Mitschnitt aus der Metropolitan Opera (1980), der vor allem Birgit Nilssons fulminantes Comeback am Hause nach fünfjähriger Abwesenheit dokumentiert. Herbert Grafs damals vierzehn Jahre alte Inszenierung stellt sich hier im Wesentlichen als eine zweckmäßig organisierte Abfolge von Auf- und Abtritten dar. Die 62-jährige Nilsson ist (trotz kleiner Höhenprobleme) stimmlich noch immer eine Wucht, bleibt im Spiel aber eher statuarisch. Bewegung bringt dafür Leonie Rysaneks leidenschaftliche Chrysothemis auf die Szene. Wie die Nilsson war sie schon bei der von Thomas Schippers dirigierten Premiere dabei, während Mignon Dunn die Rolle der Klytämnestra, die sie sehr ansehnlich als alternde Glamour-Diva anlegt, von Regina Resnik übernommen hat. ...
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