Röntgenblicke auf Elektra
Trotz des aufgebotenen Riesenorchesters ist die «Elektra» von Hofmannsthal und Strauss ein psychologisches Kammerspiel, dessen feine Nuancen nach dem aufmerksamen Kamera-Auge verlangen. Vier beinahe zeitgleich veröffentlichte DVD-Mitschnitte von Produktionen aus einem Vierteljahrhundert ziehen unsere Aufmerksamkeit auf dramatische und darstellerische Details, die im Theater im Allgemeinen unbeachtet bleiben.
Das gilt allerdings nur bedingt für den Mitschnitt aus der Metropolitan Opera (1980), der vor allem Birgit Nilssons fulminantes Comeback am Hause nach fünfjähriger Abwesenheit dokumentiert. Herbert Grafs damals vierzehn Jahre alte Inszenierung stellt sich hier im Wesentlichen als eine zweckmäßig organisierte Abfolge von Auf- und Abtritten dar. Die 62-jährige Nilsson ist (trotz kleiner Höhenprobleme) stimmlich noch immer eine Wucht, bleibt im Spiel aber eher statuarisch. Bewegung bringt dafür Leonie Rysaneks leidenschaftliche Chrysothemis auf die Szene. Wie die Nilsson war sie schon bei der von Thomas Schippers dirigierten Premiere dabei, während Mignon Dunn die Rolle der Klytämnestra, die sie sehr ansehnlich als alternde Glamour-Diva anlegt, von Regina Resnik übernommen hat. ...
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Vom deutschen Barock-Lied des 17. Jahrhunderts über Mozarts «Figaro» (Paris 2004) und «Il re pastore» (Salzburg 2006) auf DVD bis zum Live-Mitschnitt von Schumanns «Genoveva» (Wiesbaden 2006) reicht die Diskografie von Annette Dasch: Das todessüchtige «Unser Leben ist mit viel Not umgeben» von Philipp Heinrich Erlebach möge für die Vielschichtigkeit stehen, mit...
Je älter er wurde, desto aristokratischer wirkte er mit seiner schlanken Gestalt und dem schmalen, vergeistigten Gesicht. Aber wenn man ihm begegnete, in Spoleto bei seinem «Festival zweier Welten» oder auch nur im kleinen Gießen, wo er auf Einladung seinen «Konsul» und seine «Globolinks» inszenierte, dann schienen die Jahre irgendwie spurlos an ihm...
Da setzen zwei fränkische Theater fast zeitgleich Webers «Freischütz» auf den Spielplan, und beide Male fällt krankheitshalber der dafür engagierte Regisseur aus. Während in Würzburg als Einspringer Raik Knorscheidt mehr Zeit und zündende Einfälle hatte, um dem Konzept von Roland Velte (das dieser bereits 1994 in Halle realisiert hatte) den eigenen Stempel...
