Wenige lichtvolle Momente
Ein trauriger Abend. Traurig wegen der Dürftigkeit der Gedanken und seiner emotionalen Leere. Schostakowitschs «Lady Macbeth von Mzensk» kehrt auf jene Bühne zurück, wo die Oper 1934, nur zwei Tage nach der Leningrader Uraufführung, erstmals in Moskau zu erleben war – weiland in der Inszenierung von Wladimir Nemirowitsch-Dantschenko. Sein «Nachfolger» Alexander Titel scheint den Geschmack an psychologischer Analyse, Körpersprache und handlungsbestimmter Dramaturgie verloren zu haben.
Zwar passt der gesamte Gefühlsapparat dieses offen rebellischen Werks nicht ins heutige Russland, mit seiner obrigkeitsstaatlichen Verteidigung erfundener moralischer Werte. Doch schon das Bühnenbild von Wladimir Arefjew irritiert durch seine rein formale Konstruktion aus hölzernen Hausbalken: Es ist nurmehr Raum für eine kühle Performance, wo der Chor wie unbelebte Materie anmutet. Vom menschlichen Leben wird hier nicht gesprochen. Die Balken, ob sie nun senkrecht nach oben ragen oder auf dem Boden liegen, schlagen keinen Funken theatraler Wahrhaftigkeit. Mag sein, dass Titel versucht, die Wahrheit über unsere Zeit auszusprechen, über das äußere Verstummen der Menge, über die allgemeine ...
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Opernwelt Juni 2026
Rubrik: Magazin, Seite 83
von Alexej Parin
Nicht jedem Ende wohnt ein Zauber inne. Diesem schon. Eine Frau besteigt einen Fahrstuhl und entgleitet aus unserem Sichtfeld nach oben, ins Ungewisse, Ungefähre, vielleicht Unbewusste, das alles zuvor Gewusste gleichsam hegelianisch «aufhebt», sprich: zugleich auslöscht und bewahrt. Zuvor hat sie ein umfassendes Fazit gezogen und sich dabei ihrer mémoire...
Auf dem Stallerhof nachts um halb eins. Zwei Menschen treffen einander, im gegenseitigen Begehren. Nur sollten sie das, was sie tun, lieber nicht tun; der liebe Gott hat die Unkeuschheit behördlich untersagt und im sechsten seiner zehn Gebote unter strenge Strafe gestellt. Doch was tun, wenn das Verlangen größer ist als die Vernunft? Also geschieht seinesgleichen,...
Sein Name dürfte wohl nur Eingeweihten etwas sagen. Ennio Porrino spielte in der italienischen Musikszene zeitlebens keine besonders hervorgehobene Rolle. Über die Grenzen seines Heimatlandes hinaus erlangte nur das 1934 in Rom uraufgeführte, seiner sardischen Heimat zugeeignete symphonische Poem «Sardegna» eine gewisse Bedeutung; so nahm sich unter anderem der...
