Der Tod der Liebe
Eine kühne Verdrehung, und das in Zeiten des verbal triumphierenden Feminismus: Aus «Giulietta e Romeo» wird im oberfränkischen Hof «Romeo und Julia». So heißt bekanntlich Shakespeares Drama, aber die von Riccardo Zandonai verwendeten Quellen setzen die Frau nach vorn. Unter diesem Titel wurde das Werk gedruckt, als «Giulietta e Romeo» gelangte es 1922 in Rom zur Uraufführung und seither auf einige wenige Tonträger.
Häufig aufgenommen wurde nur Romeos Arie «Giulietta! Sono io!» – Mario del Monaco, Roberto Alagna und Jonas Kaufmann lauten die namhaftesten Interpreten; Monaco und Alagna sind auch in Zandonais «Francesca da Rimini» aufgetreten, haben jedoch nie die Partie des Romeo gesungen. Überhaupt wohnen beide Opern auf verschiedenen Kontinenten: «Francesca da Rimini» ist seit Langem auf den großen Bühnen diesseits und jenseits des Atlantiks zuhause, liegt außerdem in zahlreichen Aufnahmen vor (sogar drei DVDs gibt es), während «Giulietta e Romeo» dem Rand des Repertoires bis heute nicht entkommen konnte.
Die unterschiedliche Rezeption ist künstlerisch gerechtfertigt. Erfurt und Braunschweig haben vor knapp zehn Jahren «Giulietta e Romeo» aufs Programm gesetzt, das Stück wurde ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2026
Rubrik: Panorama, Seite 61
von Volker Tarnow
Wozzecks weißes Hemd scheint frisch gewaschen. Nur der Overall, den er darüber trägt, grenzt ihn von den hier den militärischen Ton angebenden Herren, denen er zu dienen hat, ab. Naturalistisches Dekor des Prekären und der sozialen Ungleichheit aber braucht Brigitte Fassbaender im aufgeräumten Bühnenbild von Bettina Munzer mitnichten, einem zwischen Hotelhalle und...
Schöner Titel: «Zu zweit», so sind die Erinnerungen von Irina Antonowna Schostakowitsch an ihre gemeinsam mit Dmitri Schostakowitsch verbrachten Jahre überschrieben. Sie verdanken sich, wie der gleichnamige Film aus dem Jahr 2022, dem unermüdlichen Versuch Elena Yakovichs, der dritten Ehefrau des Komponisten nahezukommen – was, wie die Autorin und Filmemacherin...
Wir halten unsere Zeit mit MTT in höchsten Ehren und haben viel von ihm gelernt, (…). Es war eine große Ehre, ihn am Pult zu haben. Er wird uns sehr fehlen.» Es kommt nicht oft vor, dass eine Rockband den Tod eines Dirigenten betrauert. Bei Michael Tilson Thomas hingegen ist das der Fall: «Metallica» meldete sich nach dem Tod des US-Amerikaners würdigend zu Wort....
