Phantastisch
Maurice Ravel hat für das Musiktheater nur zwei Einakter komponiert: «L’Heure espagnole», eine erotische Komödie von 1911, und das 1925 uraufgeführte Märchenstück «L’Enfant et les sortilèges». Am Pfalztheater Kaiserslautern sind beide Werke an einem Doppelabend zu erleben. Anja Kühnholds «L’Enfant»-Inszenierung beginnt inmitten eines absurden mathematischen Universums. Im Zentrum steht ein in seine Einzelteile zerlegter, von heimtückisch erscheinenden Zahlen umtanzter Zauberwürfel. Ein Kind soll Hausaufgaben machen, entflieht aber lieber in virtuelle Welten.
Daraufhin nimmt ihm die Mutter die Cyber-Brille ab. Der Spross reagiert mit einem Tobsuchtsanfall, wirft mit Gegenständen, attackiert Wände und das Mobiliar. Doch plötzlich werden die misshandelten Dinge lebendig und gehen zum Gegenangriff über. Ein Albtraum, aus dem das Kind schließlich geläutert hervorgeht.
Ziemlich viel moralischer Zeigefinger – doch so leichthändig, wie das pädagogische Märchen in Szene gesetzt wird, entfaltet es einen eigentümlichen Zauber. Das nüchterne Weiß des Würfels und die blassgraue Vegetation auf den Tapeten des Salons werden zusehends in einen Farbstrudel gezogen, der das Ganze ins Phantastische ...
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Opernwelt Juni 2026
Rubrik: Panorama, Seite 60
von Silvia Adler
Eine «sachliche» Oper? Nur zu gern würde man es glauben. Doch allein jene tieftraurige Novelle, die Hindemiths «Cardillac», der seit 100 Jahren mehr oder weniger heimatlos geblieben ist, zugrunde liegt, öffnet die Türen zu einer anderen, ganz und gar phantastischen Realität. Mag der Librettist Ferdinand Lion auch an wesentlichen Stellschrauben von E. T. A....
Nicht jedem Ende wohnt ein Zauber inne. Diesem schon. Eine Frau besteigt einen Fahrstuhl und entgleitet aus unserem Sichtfeld nach oben, ins Ungewisse, Ungefähre, vielleicht Unbewusste, das alles zuvor Gewusste gleichsam hegelianisch «aufhebt», sprich: zugleich auslöscht und bewahrt. Zuvor hat sie ein umfassendes Fazit gezogen und sich dabei ihrer mémoire...
Da sitzt er nun und blickt geschlagene 125 Jahre vom Hauptmarkt zum Gewandhaus hinüber, einst umgeben von Laubbäumen, heute von parkenden Fahrzeugen, aber nach wie vor den Kopf grüblerisch in die Hand gestützt, eher träumerisch, wie es sich für den größten deutschen Romantiker auch gehört, vielleicht ein wenig ratlos gar, denn ein Opernhaus hat er zu Lebzeiten dort...
