Leidenschaften ohne Maß
Sein bildhauerisches und malerisches Œuvre ist hinreichend gewürdigt worden – kaum ein Kunstliebhaber kommt umhin, die Fresken dieses Künstler-Genies in der Sixtinischen Kapelle und an vielen anderen (sakralen) Stätten staunend zu bewundern.
Dass Michelangelo di Lodovico Buonarroti im Verlauf seines fast 90-jährigen schöpferisch schier un -erschöpflichen Lebens aber noch die Muße fand, mehr als 300 Sonette zu schreiben, in denen es, wie später bei Shakespeares uneinholbaren Werken desselben Genres, in erster Linie um die Liebe (respektive um ihre Abwesenheit und die daraus resultierende Einsamkeit des Individuums geht), das wird im ganzen Trubel um die Wirkmächtigkeit seiner bildnerischen Kunst gern unterschätzt.
Erst Hugo Wolf und Richard Strauss (wobei dieser nur ein kleines Madrigal zu Papier brachte) wandten sich dem dichterischen Werk Michelangelos zu. Es folgten mit Benjamin Britten und Dmitri Schostakowitsch zwei Tonsetzer, denen nicht nur die menschliche Stimme als Ausdrucksmöglichkeit sehr nahestand, sondern die in ihren (Bühnen-)Werken stets auch das verwundete und/oder einsame Subjekt in den Mittelpunkt stellten. Britten schrieb seine sieben Michelangelo-Lieder für ...
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Opernwelt September-Oktober 2025
Rubrik: Medien, Seite 66
von Jürgen Otten
Er hatte etwas von einem Clown. Und wenn ihm dieser Eindruck nicht recht gewesen wäre, hätte er bestimmt etwas dagegen unternommen. Wie er in seinen späten Jahren auf die Bühne kam, ein fußballrundes Bäuchlein vor sich herschiebend, Schläppchen an den Füßen (in den Proben erschien er gern bar -füßig), ein satyrisches Lächeln im Gesicht: Das war durchaus als...
Lassen wir das Reizwort «Musical» einmal beiseite. Ja, es stimmt: Matthias Davids ist ein Fachmann für dieses Genre, und er leitet das dafür zuständige Ensemble am Landestheater Linz. Dass er für eine Inszenierung der «Meistersinger» nach Bayreuth eingeladen wurde, hat deshalb für Verwunderung, auch für Argwohn gesorgt. Doch lässt sich der Abend, der letztlich...
Existenziell
Von ihm stammt einer der schönsten Sätze über das Handwerk: «Ich werde komponiert.» Damit distanziert sich Helmut Lachenmann zwar nicht von der auktorialen Künstlerfigur, aber er schreibt dem, was erklingt, der Musik, die unumschränkte Herrschaft zu, auch als gesellschaftsverändernde Kraft. Nun wird einer der letzten Großen der Zunft 90. Grund genug...
