Welttheater
Wirrer, abenteuerlicher und undurchschaubarer als in Pietro Antonio Cestis 1657 in Innsbruck uraufgeführtem Dramma musicale «La Dori ò vero La Schiava Fedele» geht es wohl in keiner anderen Barockoper zu. Prinzessin Dori und Prinz Oronte sind einander schon als Kinder versprochen, doch ein grausames Schicksal trennt sie. Wenn sie am Ende einander finden, haben nicht nur der unter der Fuchtel seines Onkels Artaserse stehende Oronte und die als männlicher Sklave Alì verschleppte Dori, sondern auch die Zuschauer eine Achterbahnfahrt durch Höhen und Tiefen des Lebens mitgemacht.
Aufgelockert wird das amouröse Verwirrspiel, an dem mit dem (als Frau verkleideten) Prinzen Tolomeo und der Titelheldin ebenfalls unerkannter Schwester Arsinoe noch ein weiteres Paar beteiligt ist, durch die für die frühe venezianische Oper typischen komischen Figuren: Orontes alte Amme buhlt um die Liebe Golos, der sie zum Narren hält, Haremswärter Bagoa spioniert den Frauen nach.
Das hört sich kompliziert an, ist aber in Cestis grandioser Musik ein Welttheater von Shakespeare’schen Dimensionen, in dem tiefschürfende Menschlichkeit und überschäumende Theatralität eins werden. Cesti, der als Erster die ...
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Opernwelt Februar 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Uwe Schweikert
62. Jahrgang, Nr 2
Opernwelt wird herausgegeben von Der Theaterverlag – Friedrich Berlin
ISSN 0030-3690
Best.-Nr. 752341
REDAKTION OPERNWELT
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