Babylonische Öfen

Theaterverbote in Seuchenzeiten sind nichts Neues. Auch die protestantische Geistlichkeit hielt in Epidemien Gottesdienste offen und Bühnen geschlossen – eine Geschichte der Ängste und der Vorbeugung im Medium der Unmittelbarkeit

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Dem europäischen Theater ist die Sorge vor der Ansteckung mit Krankheiten bereits in der Antike vertraut. Miasmen und Pesthauch, später dann Bakterien und Viren sind die unsichtbaren Akteure der europäischen Theatergeschichte. Maßnahmen der Vorbeugung, der Prävention, aber auch die Angst vor der Ansteckung und dem Fremden haben den Ort des Theaters in der Gesellschaft ganz wesentlich bestimmt.

Der Begriff der Prävention (von praevenire = zuvorkommen) zielt dar­auf, ein bestimmtes unerwünschtes Ereignis oder einen unerwünschten Zustand zu verhindern oder die erwarteten negativen Effekte des Ereignisses oder des Zustands zu begrenzen. Schon der römische Architektur­theoretiker Vitruv wollte die Theaterbauten weit weg von Sümpfen und Feuchtgebieten angelegt wissen, da dort, nach damaligem medizinischen Verständnis, ansteckende Krankheiten ihren Ursprung nahmen. Gerade weil die Schauspiele «an den Festtagen der unsterblichen Götter» stattfanden, galt es, den Ort des Theaters mit vorausschauendem Geschick auszuwählen. Eine besondere Gefährdungssituation ergab sich für Vitruv dabei aus der besonderen Rezeptionshaltung des Publikums:

«Denn die Bürger werden, die ganze Zeit hindurch mit ...

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Opernwelt Februar 2021
Rubrik: Focus Spezial, Seite 14
von Jan Lazardzig

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