Welttheater, und was daraus wurde
Das Ende ist Stille. Nur von einem ätherischen Geigenschimmer getragen entschwebt die Seele der getauften Muslimin Clorinda in Claudio Monteverdis «Combattimento» gen Himmel. Die Musik löst sich in nichts auf, gesteht ein, dass ihre Mittel hier am Ende sind, dass alle tönende Pracht der voraufgegangenen «Marienvesper» nicht über die Endlichkeit des Daseins hinwegtäuschen kann.
Es ist diese kaum zweiminütige Episode, die erahnen lässt, was aus diesem Monteverdi-Zyklus an der Berliner Staatsoper hätte werden können: das Panoptikum eines zugleich barocken wie modernen Weltbildes, ein Gegen-«Ring», ein Triumph, der endgültig den Anspruch der Barockoper bestätigt hätte, die Grundfragen der menschlichen Existenz mit der gleichen Dringlichkeit zu stellen wie Mozart und Wagner, Verdi und Janácek.
Eigentlich war es wohl auch so gedacht, als der Regisseur Herbert Wernicke irgendwann Ende der neunziger Jahre René Jacobs fragte, ob er sich eine solche Tetralogie aus den drei Monteverdi-Opern samt der Marienvesper vorstellen könnte. Jacobs konnte, und mehr noch, er setzte alles daran, das Projekt auch nach Wernickes Tod Wirklichkeit werden zu lassen. Erst mit dem chinesischen Regisseur Chen ...
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