Welttheater, und was daraus wurde

Mit der Marienvesper schließt René Jacobs seinen Monteverdi-Zyklus an der Berliner Staatsoper ab

Das Ende ist Stille. Nur von einem äthe­rischen Geigenschimmer getragen entschwebt die Seele der getauften Muslimin Clorinda in Claudio Monteverdis «Combattimento» gen Himmel. Die Musik löst sich in nichts auf, gesteht ein, dass ihre Mittel hier am Ende sind, dass alle tönende Pracht der voraufgegangenen «Marienvesper» nicht über die Endlichkeit des Daseins hinwegtäuschen kann.

Es ist diese kaum zweiminütige Episode, die erahnen lässt, was aus diesem Monteverdi-Zyklus an der Berliner Staatsoper hätte werden können: das Panoptikum eines zugleich barocken wie modernen Weltbildes, ein Gegen-«Ring», ein Triumph, der endgültig den Anspruch der Barockoper bestätigt hätte, die Grundfragen der menschlichen Existenz mit der gleichen Dringlichkeit zu stellen wie Mozart und Wagner, Verdi und Janácek.
Eigentlich war es wohl auch so gedacht, als der Regisseur Herbert Wernicke irgendwann Ende der neunziger Jahre René Jacobs fragte, ob er sich eine solche Tetralogie aus den drei Monteverdi-Opern samt der Marienvesper vorstellen könnte. Jacobs konnte, und mehr noch, er setzte alles daran, das Projekt auch nach Wernickes Tod Wirklichkeit werden zu lassen. Erst mit dem chinesischen Regisseur Chen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2007
Rubrik: Magazin, Seite 28
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
Weitere Beiträge
Karnevalsstimmung

Bereits Felix Weingartner, vor gut hundert Jahren der wohl leidenschaftlichste Vorkämpfer für Berlioz’ «Benvenuto Cellini», war sich über die Schwierigkeiten dieser Oper vollauf im Klaren: «Cellini» brauche eine angemessene Aufführung nötiger als irgendein anderes Meisterwerk, schrieb der ehemalige Generalmusikdirektor der Wiener und Berliner Hofoper 1912, und...

Adam: Le Toréador

Von Adolphe Adams über siebzig Opern und Balletten sind nur die unsterbliche «Giselle» und der Tenor-Hit des «Postillons von Lonjumeau» der Furie des Vergessens entgangen. Jetzt hat Bielefeld den «Toréador» ausgegraben, eine 1849 uraufgeführte und in Deutschland anscheinend noch nie gespielte Opéra comique. Die Handlung bedient sich des Schemas der erotischen...

Der lange Weg zum Selbst

 

Frau Dasch, welche Bedeutung hatten die Eltern für Ihre Liebe zur Musik?
Für meine Eltern war Musik zentral. Sie hatten sich übers Singen kennengelernt, spielten Instrumente und lebten uns vor, dass gemeinsames Musizieren, egal auf welchem Niveau, Spaß macht. Von Familienfesten bis zu Weihnachts­got­tes­diens­ten – es wurde keine Gelegenheit ausgelassen, ein...