«Alles geben – total!»
Generationenwechsel im Fach der Hochdramatischen. Als die Zeit der großen Nachkriegsheroinen – der Varnay, der Mödl, der Nilsson – zu Ende ging, verkörperte sie in den siebziger und achtziger Jahren einen anderen Typ der Brünnhilde und der Isolde: Die Schwedin Catarina Ligendza gewann diesen Figuren ganz neue Aspekte von berührender Innigkeit und Mädchenhaftigkeit ab, ohne dass sie mit ihrem jugendlich-strahlenden Sopran dabei Abstriche an Intensität machen musste.
Im Gegenteil: Keine wie sie hat so scheinbar widersprüchliche Ausdrucks- und Tonstärkeangaben in Wagners Partituren wie etwa das «feurig, doch zart» zu der Passage «O Siegfried, Herrlicher! Hort der Welt!» in der letzten «Siegfried»-Szene derart zu Herzen gehend umsetzen können mit weich-leuchtendem Stimmansatz.
Catarina Ligendza, 1937 in Stockholm geboren, wuchs in einer Künstlerfamilie auf, in einem – wie sie sehr überlegt formuliert – «glücklichen Unbewusstsein vom Beruf der Eltern». Will heißen: Mit sieben Jahren erst, als sie zum ersten Mal in die Königliche Oper geführt wurde, erfuhr sie, dass ihr Vater Einar Beyron dort als berühmter Tenor und ihre Mutter Brita Hertzberg als nicht minder bekannte ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Wenn die Unterwelt ihre Furien ausspuckt, die Erde zittert und der Himmel grollt, dann hat die Musik ihren großen Auftritt. Sie erledigt solche Ereignisse in wenigen Takten, meist sogar in wenigen Sekunden. Doch solche Sekunden haben es in sich. Da sackt plötzlich jede metrische Ordnung weg, und die Streichinstrumente donnern wuchtig, als wollten sie den Schlägen...
Manchmal erscheint der Opernbetrieb rätselhaft. Da existiert ein wahrhaft operntheatralisches Werk – heftige Leidenschaften, Hysterie bis zum Wahnsinn, pralle Figuren, eine vehement mitreißende Musik von erstaunlicher Ausdruckspalette – und dann wird dieses Werk höchst selten gespielt. Warum? Vielleicht hat es Prokofjew mit seinem «Feurigen Engel» doch zu toll...
Eine Ausgrabung, die es in sich hat: Das Theater Hof präsentiert (als Koproduktion mit dem Vorpommerschen Theater Stralsund) die erst 1965 in Prag aufgefundene, 1995 in Bielefeld von John Dew uraufgeführte Oper «Der Sturz des Antichrist» von Viktor Ullmann. Der Komponist, der 1944 in Auschwitz ermordet wurde, bezeichnete das Werk, das er 1935 auf der Basis eines...
