Welt und Schmerz
Der Titel erinnert entfernt an Descartes: «I AM.» Ich bin. Mag das Konjunktionaladverb «also» fehlen, und mag Susanne Kennedy ihre Saarbrücker Poetikvorlesungen für Dramatik, die nun gesammelt im Berliner Alexander Verlag erschienen sind, mit dem (in Klammern gesetzten) charakteristischen Zusatz «a strange loop» benannt haben, so wird bei der Lektüre doch zugleich der erste Teil jenes so berühmten, von Rousseau in sein Gegenteil umgewandelten Satzes evident: «Cogito» – Ich denke.
Vor allem über das «Theater als bewusstseinserweiternde Technologie» (so der Untertitel des ebenso schmalen wie schlauen Bandes) denkt die Regisseurin und Dramatikerin, die nach «Einstein on the Beach» 2022 in Basel sowie «Parsifal» in Antwerpen im vergangenen Jahr soeben erst an der Deutschen Oper Berlin das esoterische Rätsel namens «Mittwoch aus LICHT» von Karlheinz Stockhausen zu lösen suchte, intensiv nach, nicht ohne dabei die dort handelnden Akteure selbst in den Mittelpunkt zu rücken: «Die Menschen auf der Bühne selbst werden zu Hieroglyphen, während sie mit mathematischer Genauigkeit ihre Bewegungen durchexerzieren.»
Betrachtet man Kennedys Regiearbeiten, so wird diese Reduktion, die zugleich ...
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Opernwelt November 2026
Rubrik: Medien, Seite 48
von Jürgen Otten
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