Prime Donne
Altersmäßig waren die Damen gerade einmal sieben Tage voneinander getrennt, im Opern-Universum indes trotz einiger Repertoire-Parallelen wie von unterschiedlichen Planeten: Joan Sutherland, geboren am 7. November 1926 in der Nähe von Sydney, und Leonie Rysanek, eine Woche später in Wien zur Welt gekommen. Beide wären in diesem November hundert Jahre alt geworden.
Sutherland, die australische Nachtigall, verwaltete vor allem die zarten Ziergärten des Belcanto; die Kakanierin Rysanek durchforstete energiegeladen die dunklen Wälder der deutschen Romantik, aber auch die veristischen Gefilde Verdis und Puccinis. Ihr Bühnendebüt gab sie, passend, im Jahr 1949 als Agathe in Webers «Freischütz» in Innsbruck. Aber auch Joan Sutherland hatte sich– was vielleicht weniger bekannt ist – an dieser Partie versucht, Anfang der 1960er-Jahre an Covent Garden. Damals sang sie sozusagen «querbeet» durch ein enormes Repertoire – auch als Comprimaria, etwa als Clotilde neben der Norma von Maria Callas. Wobei Sutherland später selbst die Norma übernahm und damit triumphierte. Die Callas soll «not amused» gewesen sein.
Eine kleine persönliche Erinnerung an die von ihren Fans verzückt «La Stupenda» ...
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Opernwelt November 2026
Rubrik: Essay, Seite 82
von Gerhard Persché
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