Die Welt, eine psychiatrische Anstalt

Das Theater Coburg startet mit der Uraufführung von Ulrich Kreppeins «Caligari» in die Jubiläumssaison zum 200. Geburtstag. In gelungener Weise wird aus Film Oper

Opernwelt - Logo

Siebte Szene in einer atemlos ablaufenden Folge von 24: Auftritt des somnambulen Cesare in Caligaris Jahrmarktsbude, nachdem der zwielichtige Scharlatan sich selbst als Frontmann einer zweifellos rechtsextremen Rockerband präsentiert hat. Zu seinem Lederzeug, behängt mit abenteuerlichen Klunkern, trägt er feudale Epauletten, wie sie einst der Gründer des Coburger Theaters, Herzog Ernst I. von Sachsen-Coburg und Gotha, trug. Mit Ulrich Kreppeins und Alexander Charims «Caligari», einem «Musiktheater nach dem Film ‹Das Cabinet des Dr.

Caligari›», eröffnete das einstige Hoftheater nun sein 200. Gründungsjubiläum. Was der berühmte Film von 1920 erst am Ende entschlüsselt, machen Komponist und Librettist (der in Personalunion auch der Regisseur ist) von Anfang an klar: dass die Handlung, durch die die Protagonisten taumeln, im Irrenhaus spielt, in dem der Patient Franzis unter der Anleitung seines Arztes von rätselhaften Morden in einer aus den Fugen geratenen Welt berichtet. Immer wieder bricht diese selbst in seine Erzählung ein. Übergänge zwischen in immer rascherem Takt sich abwechselnden Realitätsebenen sind hier szenisch und musikalisch zu formulieren. Kreppein setzt mit seiner ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 24
von Klaus Heinrich Kohrs

Weitere Beiträge
«Weniger Pedal, weniger Pathos»

Im Wettlauf um die schnellere Wahrnehmung unterliegt das träge Ohr dem flinkeren Auge. Darum ist in Opernkritiken stets mehr vom Gesehenen als vom Gehörten, mehr von der Szene als von der Musik die Rede. Selbst die besten, ausgewogensten Bücher wie jüngst Stephan Möschs wegweisende Geschichte der Bayreuther Festspiele machen davon keine Ausnahme und schlagen sich...

Ein musiktheatraler Essay

Louis Andriessen gilt als einer der bedeutendsten Komponisten der Niederlande. Das Œuvre des 2021 mit 82 Jahren verstorbenen Komponisten umfasst zahlreiche Gattungen, seine Musik spiegelt Einflüsse der mitteleuropäischen Musiktradition, orientiert sich aber auch an den amerikanischen Minimalisten und kannte keine Berührungsängste zu Jazz, Boogie-Woogie und sogar...

Mild und leise, wie sie lächelt

Draußen, vor den Pforten der Kirche in Västra Karup, weht eine abendlich kühle Brise, drinnen, im (selbstverständlich protestantischen) Gotteshaus tobt der Sturm. Nun ist Andrea Chéniers flammende Verteidigungsrede ja schon an sich eine leidenschaftliche Angelegenheit. Aber was Luthando Qave, von Magnus Svensson am Flügel resolut, nuanciert und farbenreich...