Weit draußen an der Sägemühle

Das schwedische Festival «Opera på Skäret» bezieht seinen Reiz aus der Divergenz zwischen Kunst und Natur

Opernwelt - Logo

Sanft kräuselt der Wind die Oberfläche des Sees. Schilf wiegt sich im Takt der Wellen. Endlose Wälder säumen die Ufer. Die Konturen ferner Berge zeichnen sich am Horizont ab. Ein Ort für erhabene Gefühle, für frei fliegende Gedanken. Die hatte auch der Sänger und Regisseur Sten Niclasson, als er vor zwölf Jahren erstmals dieses Ufer bereiste und unbedingt die Akustik der alten Sägemühle ausprobieren musste, die hier steht.

Bis in die sechziger Jahre hat man in den Bergen an der norwegischen Grenze Baumstämme geschlagen, über den See hierher geschwemmt, in Planken zersägt und zum Trocknen aufgebahrt. Jetzt traf erstmals menschlicher Gesang auf die nackten Wände. Niclasson war begeistert und wusste: Hier musste Oper gespielt werden. Eine Vision, die ihn jahrelang nicht losließ. Von zäher Kleinarbeit und unendlichen Verhandlungen mit dem Besitzer der Sägemühle, den lokalen Be­hörden und Sponsoren ließ er sich nicht entmutigen. Vor fünf Jahren eröffnete mitten in der schwedischen Provinz das Festival «Opera på Skäret».
Den Namen kann man mit «Oper an der Bucht» übersetzen, und das trifft den Charakter des Festivals, das jährlich für zehn Tage im August stattfindet, ziemlich gut. Denn ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2008
Rubrik: Magazin, Seite 74
von Udo Badelt

Vergriffen
Weitere Beiträge
Der babylonische Trümmerbaumeister

«Musik ist alles, was nicht nur Gymnastik ist.» Das Bonmot des Wiener Komponisten und Pianisten Otto M. Zykan mag zunächst nur flapsig klingen, verweist aber auf einen Definitionsnotstand. Denn schon darüber, was überhaupt «Musik» sei, gibt es erhebliche Meinungsdiskrepanzen. Zwischen Mahlers «Sinfonie der Tausend» und John Cages stummem Dreisätzer «4.33» liegen in...

Aus dem Krieg, zurück ins Wasser

Don Giovanni», Verdis «Otello», Gou­nods «Roméo et Juliette» – die Eröffnungspremieren der Salzburger Festspiele mit den attraktiven und populären Titeln waren die ganze Festivalzeit über auf dem Programm (siehe OW 9-10/2008). Das etwas sperrigere Angebot folgte in der zweiten Festspielhälfte: Bartóks «Herzog Blaubarts Burg», Dvoráks vor allem wegen der Mond-Arie...

Auf Forschungsreise

Noch ist Joachim Schlömer hauptamtlich Kurator von pvc Tanz Freiburg Heidelberg. Aber als Opern- und Schauspielregisseur hat er das Bloß-Choreografieren längst hinter sich gelassen, und deshalb braucht es einen nicht zu wundern, wenn die «Entführung aus dem Serail» Genregrenzen ignoriert und sich am Schluss als ein faszinierendes Forschungsprojekt erweist. Als...