Vor und nach der Revolution
Kein Wunder, dass der schwärmerische Lenski (etwas ungelenk: Claude Pia) rasend eifersüchtig wird: Freund Onegin und seine Olga (aufgekratzt, mit schönem, leichtem Mezzo: Anne Schuldt) tanzen sich beim Geburtstagsfest Tatjanas in eine Lust an Bewegung hinein, die sie schnell vom 19. ins 20.
Jahrhundert katapultiert und selbst vor Flamenco, Foxtrott, Cha-Cha-Cha und Rock-‘n’-Roll nicht halt macht!
Brigitte Fassbaenders Inszenierung des «Eugen Onegin» hat noch mehr solche präzise aus Musik und Handlung entwickelten Überraschungsmomente: Wenn in der ersten Szene die Feldarbeiter von unwürdigen Arbeitsbedingungen singen, ist das durch die Blume eine Anklage, die Larina (prägnant: Anne Pellekorne) schnell erstickt, indem sie mit Geldscheinen winkt und prompt heitere Lieder erntet. Die Abfuhr, die Onegin Tatjana erteilt, spiegelt sich am Ende in genau gleicher Körpersprache, wenn Onegin durch Tatjana zurückgewiesen wird: eine verzweifelt lange Umarmung, langsames Zu-Boden-Gleiten, Kauern wie ein Häuflein Elend.
Der junge Lette Janis Apeinis gestaltet mit fein-herbem, intensivem Bariton, perfekter russischer Diktion und natürlich-prägnanter Körpersprache einen weniger blasierten als früh ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Man geht nicht zu weit, wenn man behauptet, dass der indische, seit Langem in London lebende Bildhauer Anish Kapoor das Ausufernde, ja Uferlose liebt. Gegen Gigantomanie von Arbeiten wie «Marsyas» (London), «Syayambh» (München) oder «Cloud Gate» (Chicago) mutet das Gebilde, das Kapoor für die Neuinszenierung von Debussys «Pelléas et Mélisande» am Théâtre La Monnaie...
Zweimal Fabrice Bollon. Der neue Freiburger GMD – nach zwei Interims-Spielzeiten mit Patrik Ringborg und Gerhard Markson – erschien bei seinem Amtsantritt gleich doppelt. Als Dirigent von Carl Maria von Webers «Freischütz» entpuppt er sich weniger als brütender Romantiker denn als Klassizist eines betont offenen, kammermusikalisch ertüftelten und im Instrumentarium...
Wer sich auf eine Expedition ins Innere von Chaya Czernowins «Pnima»-Partitur einlässt, stößt erst einmal auf drei eng bedruckte Seiten Spielvorschriften. Gut fünfzig Sonderzeichen und rund zwei Dutzend Kürzel, dazu Erläuterungen zu Dynamik, Lautbildung, Klangfarben und Tonhöhen benötigt die israelische Komponistin, um ihre Klangvorstellungen auf Notenpapier...
