Vor und nach der Revolution
Kein Wunder, dass der schwärmerische Lenski (etwas ungelenk: Claude Pia) rasend eifersüchtig wird: Freund Onegin und seine Olga (aufgekratzt, mit schönem, leichtem Mezzo: Anne Schuldt) tanzen sich beim Geburtstagsfest Tatjanas in eine Lust an Bewegung hinein, die sie schnell vom 19. ins 20.
Jahrhundert katapultiert und selbst vor Flamenco, Foxtrott, Cha-Cha-Cha und Rock-‘n’-Roll nicht halt macht!
Brigitte Fassbaenders Inszenierung des «Eugen Onegin» hat noch mehr solche präzise aus Musik und Handlung entwickelten Überraschungsmomente: Wenn in der ersten Szene die Feldarbeiter von unwürdigen Arbeitsbedingungen singen, ist das durch die Blume eine Anklage, die Larina (prägnant: Anne Pellekorne) schnell erstickt, indem sie mit Geldscheinen winkt und prompt heitere Lieder erntet. Die Abfuhr, die Onegin Tatjana erteilt, spiegelt sich am Ende in genau gleicher Körpersprache, wenn Onegin durch Tatjana zurückgewiesen wird: eine verzweifelt lange Umarmung, langsames Zu-Boden-Gleiten, Kauern wie ein Häuflein Elend.
Der junge Lette Janis Apeinis gestaltet mit fein-herbem, intensivem Bariton, perfekter russischer Diktion und natürlich-prägnanter Körpersprache einen weniger blasierten als früh ...
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Mrs. DiDonato, dürfen wir Ihnen ein Kompliment machen?
Gern. Welches denn?
Sie haben ein großes und für den Opernbetrieb nachgerade erstaunliches Talent als Schauspielerin. Haben Sie heimlich geübt?
Nein. Auch wenn Sie es nicht glauben. Spielen war für mich immer natürlicher als Singen, schon an der Highschool. Ich dachte nie darüber nach, was ich wie tun musste. Ich...
Vor fünf Jahren bescherte Kent Nagano Berlin an der Lindenoper eine neue «Turandot», die nicht nur aufhorchen ließ, weil das damals noch druckfrische Finale Luciano Berios auf den Notenpulten lag, sondern auch wegen ihres gehärteten, gleichsam trockeneisgekühlten Klangbildes (siehe OW 11/2003). Puccini, der Meister des molto cantabile hatte ausgedient, hier galt...
Der Meister spricht vom Band. Einar Schleef beschreibt das Umfeld seines Elternhauses in Sangerhausen. Auf dem Bühnenboden ist eine «Ernst-Thälmann-Adolf-Hitler-Hindenburg-Straße» aufgemalt. Eine verfallene Bühne, eine einfache Kirche, Lichtröhren, die als Pfeil nach unten zeigen – das morbide Bühnenbild stammt von der Berliner Volksbühne. Anna Viebrock hat es...
