Der Mensch im Schrank
Zweimal Fabrice Bollon. Der neue Freiburger GMD – nach zwei Interims-Spielzeiten mit Patrik Ringborg und Gerhard Markson – erschien bei seinem Amtsantritt gleich doppelt. Als Dirigent von Carl Maria von Webers «Freischütz» entpuppt er sich weniger als brütender Romantiker denn als Klassizist eines betont offenen, kammermusikalisch ertüftelten und im Instrumentarium «historisch» angereicherten, indes auch etwas geheimnislosen Orchesterklangs.
Bisweilen (Jägerchor!) wirkten die Tempi abenteuerlich angezogen, nachgerade exzentrisch wirbelte die Pauke: eine betont rhythmisierte, fast schon tänzerische Auslegung der Partitur. Spätabends, in der umfänglichen «Zugabe» von Mauricio Kagels Musikepos «Der mündliche Verrat», einem weiteren Werk, in dem der Teufel ein (Sprich-)Wort mitzureden hat, dann der rühmlich bekannte Avantgarde-Interpret Bollon, die sieben philharmonischen Abgesandten mit sicherster Hand durch das gewitzt-hintersinnige Konglomerat aus neuem und betagtem (Salon-)Vokabular lotsend.
In Marcus Lobbes‘ Inszenierung gedieh Kagels gute Stunde zu einer mehr und mehr unterhaltsam sprücheklopfenden Diabologie bei extremer Anforderung an die Schauspieler Charlotte Müller, ...
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