Der Mensch im Schrank

Freiburg, Weber: Der Freischütz, Kagel: Der mündliche Verrat

Opernwelt - Logo

Zweimal Fabrice Bollon. Der neue Freiburger GMD – nach zwei Interims-Spielzeiten mit Patrik Ringborg und Gerhard Markson – erschien bei seinem Amtsantritt gleich doppelt. Als Dirigent von Carl Maria von Webers «Freischütz» entpuppt er sich weniger als brütender Romantiker denn als Klassizist eines betont offenen, kammermusikalisch ertüftelten und im Instrumentarium «historisch» angereicherten, indes auch etwas geheimnislosen Orchesterklangs.

Bisweilen (Jägerchor!) wirkten die Tempi abenteuerlich angezogen, nachgerade exzentrisch wirbelte die Pauke: eine betont rhythmisierte, fast schon tänzerische Auslegung der Partitur. Spätabends, in der umfänglichen «Zugabe» von Mauricio Kagels Musikepos «Der mündliche Verrat», einem weiteren Werk, in dem der Teufel ein (Sprich-)Wort mitzureden hat, dann der rühmlich bekannte Avantgarde-Interpret Bollon, die sieben philharmonischen Abgesandten mit sicherster Hand durch das gewitzt-hintersinnige Konglomerat aus neuem und betagtem (Salon-)Vokabular lotsend. 
In Marcus Lobbes‘ Inszenierung gedieh Kagels gute Stunde zu einer mehr und mehr unterhaltsam sprücheklopfenden Diabologie bei extremer Anforderung an die Schauspieler Charlotte Müller, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2008
Rubrik: Panorama, Seite 53
von Heinz W. Koch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Nights at the Opera

Musikalisch, stilistisch und dramatisch hat Puccini in «Il trittico» drei verschiedene, in sich schlüssige Welten entworfen. Jeder dieser Ein­akter könnte auch ohne die beiden anderen bestehen. Ein Haus, das alle Stücke an einem Abend zeigt, lässt sich so auf eine künstlerische Herausforderung ein, die der einer «Ring»-In­szenierung kaum nachsteht. In Los Angeles...

Editorial

Die Wiege der Oper steht bekanntlich in Italien. Als Monteverdis «L’Orfeo» am Hof von Mantua über die Bühne ging, florierten Musik, Literatur und bildende Kunst in den Palazzi zwischen Florenz, Rom und Neapel – und befruchteten sich wechselseitig. Schon bald wurde überall in Europa Oper gespielt, und bis um die Mitte des 18. Jahrhunderts dominierte die italienische...

Alles oder nichts

Rostock ist überall, kurzsichtiges Kaputtsparen in Kommunen keine deutsche Spezialität. Aus dem norwegischen Bergen ist jetzt ein klassischer Fall von Kulturdemontage zu vermelden. Dort wurde der seit Jahren erfolgreich arbeitenden Vest Norges Opera kurzerhand die Subvention gestrichen. 1981 von der Dirigentin Anne Randine Øverby auf privater Basis gegründet und...