Weichgespült

Die Oper Dortmund zieht Halévys Grand Opéra «La Juive» nach einer Umbesetzung der Regie die politischen Zähne

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Als Heribert Germeshausen 2018 die Dortmunder Intendanz übernahm, gehörte zu seiner Vision einer «Ruhr-Oper 21» auch die Kontextualisierung von Wagners Musikdramen mit ihren französischen Vorläufern und Zeitgenossen. Diesen «Wagner-Kosmos», der 2020 starten sollte, wirbelte ihm die Corona-Pandemie gründlich durcheinander. Aubers Grand-Opéra «La Muette de Portici» strandete noch vor der geplanten Premiere, Peter Konwitschnys «Ring»-Inszenierung musste verschoben werden; immerhin die «Walküre» kam in der vergangenen Saison heraus.

Jetzt hat Germeshausen mit Jacques Fromental Halévys «La Juive» ein Eigentor geschossen. Die 1835 uraufgeführte, seit den 1930er-Jahren von den Bühnen verschwundene, erst in den letzten beiden Jahrzehnten wieder häufiger gespielte Oper ist mit ihrem Ineins von christlichem Antisemitismus und jüdischem Märtyrertod angesichts der jüngsten Geschichte noch immer von brennender Aktualität. Diese Brisanz ist aber weder durch eine historisierende Stilisierung noch durch platte Aktualisierung oder gar anbiedernde political correctness zu haben, sondern einzig durch eine ästhetische Übersetzung, die die heutige Realität reflektiert. Lorenzo Fioroni und sein Team ...

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Opernwelt Januar 2023
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Uwe Schweikert

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