Oper für alle
Oper muss endgültig aus dem Elfenbeinturm herabsteigen, sie muss Relevanz beweisen und für alle erfahrbar werden: Seitdem die Post-Corona-Leere die Theater im Griff hat, sind diese Forderungen noch häufiger zu hören als zuvor. Müssen wir also Musiktheater neu denken, damit es überlebt? Christina Gutiérrez Malmborm hat sich 2013 gesagt, sie wolle jetzt in der südschwedischen Provinz Småland schlichtweg «Oper machen». Besondere Vorkenntnisse in Sachen Musiktheaterproduktion habe sie nicht mitgebracht, «dafür eine Menge Verrücktheit und Sturheit».
Gespielt werden sollte auf Schwedisch, damit das Erleben unmittelbar und nicht über den Umweg der Übertitelanlage funktioniert. Malmborm suchte (und fand) darüber hinaus ungewöhnliche Orte; sie allein sollten Publikum anlocken. Und bereits im Folgejahr waren ein Dutzend Vorstellungen von Mozarts «Zauberflöte» (alias «Trollflöjten») restlos ausverkauft. Kein schlechter Start für die frischgebackene Produzentin auf dem für sie und Småland neuen Terrain. In den folgenden sechs Jahren wurde dann jeweils ein Bühnenwerk zur Premiere gebracht, mit reduziertem Orchester, lokalen und national tätigen Sängern, bald auch in Kooperation mit der ...
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Opernwelt Januar 2023
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Stephan Knies
Große Romantische Oper in drei Aufzügen» – so untertitelte Richard Wagner seinen «Fliegenden Holländer» (1843). «Romantik»: Das könnte in diesem Falle auf «Dunkelheit», «Nebel» und «Traum» verweisen. «Wüsst ich, ob ich wach‘ oder träume?» – so fragt schon Daland im ersten Aufzug. Die Geschichte ist doch recht platt: Ein Untoter (der Holländer) will endlich...
Und der alte Cherubini? Das ist doch ein einziger Kerl! Ich habe da seine Abenceragen und kann nicht aufhören, mich an diesem petillanten Feuer, an den geistreichen eigenthümlichen Wendungen, an der außerordentlichen Zierlichkeit und Feinheit, mit der Alles geschrieben ist, zu erfreuen [...]. Dabei ist alles so frei und keck und so höchst lebendig». Das schreibt...
Als Heribert Germeshausen 2018 die Dortmunder Intendanz übernahm, gehörte zu seiner Vision einer «Ruhr-Oper 21» auch die Kontextualisierung von Wagners Musikdramen mit ihren französischen Vorläufern und Zeitgenossen. Diesen «Wagner-Kosmos», der 2020 starten sollte, wirbelte ihm die Corona-Pandemie gründlich durcheinander. Aubers Grand-Opéra «La Muette de Portici»...
