Oper für alle
Oper muss endgültig aus dem Elfenbeinturm herabsteigen, sie muss Relevanz beweisen und für alle erfahrbar werden: Seitdem die Post-Corona-Leere die Theater im Griff hat, sind diese Forderungen noch häufiger zu hören als zuvor. Müssen wir also Musiktheater neu denken, damit es überlebt? Christina Gutiérrez Malmborm hat sich 2013 gesagt, sie wolle jetzt in der südschwedischen Provinz Småland schlichtweg «Oper machen». Besondere Vorkenntnisse in Sachen Musiktheaterproduktion habe sie nicht mitgebracht, «dafür eine Menge Verrücktheit und Sturheit».
Gespielt werden sollte auf Schwedisch, damit das Erleben unmittelbar und nicht über den Umweg der Übertitelanlage funktioniert. Malmborm suchte (und fand) darüber hinaus ungewöhnliche Orte; sie allein sollten Publikum anlocken. Und bereits im Folgejahr waren ein Dutzend Vorstellungen von Mozarts «Zauberflöte» (alias «Trollflöjten») restlos ausverkauft. Kein schlechter Start für die frischgebackene Produzentin auf dem für sie und Småland neuen Terrain. In den folgenden sechs Jahren wurde dann jeweils ein Bühnenwerk zur Premiere gebracht, mit reduziertem Orchester, lokalen und national tätigen Sängern, bald auch in Kooperation mit der ...
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Opernwelt Januar 2023
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Stephan Knies
arte
01.01. – 17.55 Uhr Live aus dem Teatro La Fenice
Seit bald 20 Jahren heißt das Gran Teatro La Fenice in Venedig das neue Jahr mit einem bunten Strauß von Opernarien willkommen. Giuseppe Verdi hat alljährlich einen Ehrenplatz im Programm. Traditionell serviert das Orchester des Hauses den Gefangenenchor aus «Nabucco» und das «Brindisi» als Bouquet final. In...
Der Orchestergraben ist geschlossen, die vordersten Reihen im Parkett sind herausgenommen, die Musikerinnen und Musiker gehen in einer langen Reihe durch den Zuschauerraum zu ihren Plätzen. Sie sind es, die an diesem Abend die Hauptrolle spielen und – im Zusammenwirken mit der suggestiven Inszenierung von Evgenia Safonova, die in Perm als Musiktheaterregisseurin...
In der Bühnenmitte steht eine Art Auge, Linse oder Fokus, darin dreht sich zuweilen Fortunas Rad, meistens aber öffnet sich eine Aussicht, auf das Meer zum Beispiel. Von rechts und links ragen Kulissen hinein wie im Barocktheater, aber sie sind schon ein bisschen beschädigt und ruiniert – als hätte man sie irgendwo gefunden und würde sie jetzt wiederverwenden.
Das...
