Durchaus belebend
Francesca Zambellos Neuinszenierung von Strauss’ «Elektra» an der Washington National Opera profitiert in hohem Maße von ihrer langjährigen Zusammenarbeit mit Christine Goerke, die auch in dieser Produktion wieder einmal beweist, in welch fabelhafter stimmlicher Verfassung sie gegenwärtig ist. Nachdem sie 2008 erstmals die Chrysothemis verkörpert hatte, avancierte die Sopranistin in den Folgejahren zu einer der weltbesten Sängerdarstellerinnen in der strapaziösen Titelrolle; besonders überwältigend an der Lyric Opera of Chicago (2012) und in Boston (2015).
Einige der folgenden Aufführungen (als Elektra und als Brünnhilde) offenbarten eine gewisse Wankelmütigkeit in Sachen Intonation. Dennoch traf Goerke die hohen B’s und C’s stets sicher und fiel nur gelegentlich mit wenig geschmeidiger Linienführung auf.
Eine der großen Stärken dieser Künstlerin wird auch bei ihrem Elektra-Porträt in Washington evident: Es ist Goerkes Talent, die Empfindungen und Gedanken dieser ikonischen, nahezu überlebensgroßen Figur so plastisch in szenische Aktionen umzusetzen, dass sie für ein heutiges Publikum vertraut wirken. Zambello nutzte diesen «dramatischen» Vorteil, sämtliche Szenen, in denen die ...
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Opernwelt Januar 2023
Rubrik: Panorama, Seite 33
von David Shengold
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