Nicht angefasst
Große Romantische Oper in drei Aufzügen» – so untertitelte Richard Wagner seinen «Fliegenden Holländer» (1843). «Romantik»: Das könnte in diesem Falle auf «Dunkelheit», «Nebel» und «Traum» verweisen. «Wüsst ich, ob ich wach‘ oder träume?» – so fragt schon Daland im ersten Aufzug. Die Geschichte ist doch recht platt: Ein Untoter (der Holländer) will endlich sterben. Dazu braucht er eine Frau als Erlöserin. Alle sieben Jahre kommt er an Land.
Anlässlich eines Sturms trifft er einen Seemann (Daland), der für die Goldschätze des Holländers – mit denen dieser Untote freilich nichts anzufangen weiß – bereit ist, ihm seine Tochter anheimzugeben. Ein Verlobter namens Erik muss zunächst weichen. Am Ende erinnert sich Senta an Eriks Treue- und an ihren eigenen Verlobungsschwur. Das bekommt der untote Holländer mit, bleibt ewig unerlöst – und Senta suizidiert sich mit einem Sprung ins Meer.
Leider banalisiert Herbert Fritsch die Geschichte in seiner Inszenierung an der Komischen Oper Berlin aufs Äußerste. Wie von ihm gewohnt stehen (und wackeln) alle Handelnden im grellsten Licht; «gestützt» von grellen Farben im Hintergrund und sturmgeblendet von flackerndem Discolicht. Claus Peymann, ...
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Opernwelt Januar 2023
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Arno Lücker
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