Weiche Helden
Mit «Bel Canto Spectacular» setzt Juan Diego Flórez die Reihe seiner Belcanto-Recitals «Una furtiva lagrima» (2002) und «Arias for Rubini» (2007) fort. Einige Stücke hatte man auf den Vorgänger-Veröffentlichungen schon gehört bzw. sie sind inzwischen im Rahmen von Gesamtaufnahmen erschienen. Besonders faszinierend ist es, die «Lagrima» von 2002 und 2008 miteinander zu vergleichen. Flórez mischt heute mehr Bronze ins Timbre, setzt das Brustregister als Basis auch für hohe Töne ein.
War der Nemorino von 2002 noch ein unschuldiger Engel, klingt die Stimme heute größer und männlicher, wirkt die Farbe dunkler und heldischer. Verzauberte die Träne ehemals durch Schlichtheit, Direktheit und Anmut, betört sie heute durch offen gezeigte Kunstfertigkeit und Raffinement. Es sind gerade die vollkommenen Verzierungen, Eingänge, Kadenzen, Messa di voce-Effekte, Crescendi und Rubati, die von der gewohnten Melodie abweichen und den connaisseur entzücken, weil sie ihn unerwartet überraschen. Aus Natur wird Kunst.
Faszinierend an der neuen CD ist es, zu verfolgen, wie die Stimme des peruanischen tenore di grazia reift, welche Ausdrucksmöglichkeiten sie sich erobert, wie sie den Charakter ändert. ...
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Herr Jenis, die Partie des Renato in Verdis «Un ballo in maschera» zählt zu den wichtigen Rollenporträts Ihres Fachs. Da liegt es auf der Hand, Sie mit anderen Baritonen zu vergleichen. Wollen wir?
Nein, wir wollen nicht. Vergleiche nützen nichts.
Das heißt, Sie vergleichen sich selbst nicht mit anderen herausragenden Stimmen, nach dem Motto: Denen komme ich...
Wenn’s denn ein Opernkalauer sein darf. Frage: Was ist die Steigerung von «nie gehört»? Antwort: «Clari»! Den Titel von 1828 dürfte selbst im notorisch ausgrabungsfreudigen Zürcher Opernhaus niemand auf der Rechnung gehabt haben, bevor Cecilia Bartoli in der Pariser Bibliothèque Nationale darauf stieß. Das geschah, als die Musikforscherin in ihr auf den Spuren von...
Die Welt ein Gedankengebäude. Ein Gespinst aus Ideen nur. Immer wieder fasziniert diese Idee, die Arthur Schopenhauer einst formulierte, als eine Möglichkeit, sich vor ihr als tatsächlichem Gegenstand zu schützen. Die Welt als Wille und Vorstellung, das ist mehr als nur ein Titel eines unzweifelhaft bedeutenden Werkes, das nicht zufällig eine der...
