Nackt
Erstaunlich ist es schon. Da ist, seit nunmehr sechzig Jahren, ein Werk in der Welt, das zu den tiefgründigsten, vielschichtigsten, erschütterndsten Zeugnissen seines Jahrhunderts zählt, und doch erklingt es auf den Opernbühnen selten nur. Ein Grund für das mangelnde Interesse an Dallapiccolas «Il prigioniero» liegt womöglich in der Schwierigkeit, ein passendes Pendant zu finden, das thematisch wie musikalisch und philosophisch die Nähe zu dem Einakter nicht nur behauptet, sondern beglaubigt.
Beschaut man die Aufführungen, die es von der Oper gibt, fällt auf, dass die «Partner» wechseln: von Ravels «L’Enfant et les Sortilèges (was wahrlich nicht passt) reicht die Palette über Henzes «Ein Landarzt» auf Kafka (ebenfalls von 1948) bis hin zu Schönbergs «Ode to Napoleon», wie jüngst im Pariser Palais Garnier (siehe OW 6/2008); sogar eine Einrahmung mit dem Eingangschor aus der «Matthäus-Passion» wurde (in Wien) versucht.
Dabei liegt des Rätsels Lösung eigentlich auf der Hand: «Il prigioniero», kombiniert mit Bartóks Musiktheater «Herzog Blaubarts Burg», das ergibt den rechten Sinn; szenisch, musikalisch wie textlich und vor allem: psychologisch. Dass nun ausgerechnet die ...
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Schon der Beginn der Oper klingt verheißungsvoll: Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks präsentiert sich unter der Leitung von Bertrand de Billy vom ersten Takt an als jener exquisite Klangkörper von geschmeidiger, in allen Belangen differenzierender Tongebung und rhythmischer Elastizität, als der er diese Aufnahme bis zum Schluss maßgeblich prägt....
Manchmal werden selbst die üppigsten Rechnungen ohne den Wirt gemacht. Das Größte, das Schönste, das Beste sollte es sein, als man Anfang der neunziger Jahre in Baden-Baden über ein neues Veranstaltungshaus für Konzerte, Ballett- und Opernaufführungen nachdachte. Die beschauliche Stadt an der Oos hatte es satt, in der öffentlichen Wahrnehmung als Kurort und...
Mit «Bel Canto Spectacular» setzt Juan Diego Flórez die Reihe seiner Belcanto-Recitals «Una furtiva lagrima» (2002) und «Arias for Rubini» (2007) fort. Einige Stücke hatte man auf den Vorgänger-Veröffentlichungen schon gehört bzw. sie sind inzwischen im Rahmen von Gesamtaufnahmen erschienen. Besonders faszinierend ist es, die «Lagrima» von 2002 und 2008...
