Nackt

Peter Stein und Daniel Harding erweisen sich in Mailand als ideales Gespann für Dallapiccolas «Il prigioniero» und Bartóks «Herzog Blaubarts Burg»

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Erstaunlich ist es  schon. Da ist, seit nunmehr sechzig Jahren, ein Werk in der Welt, das zu den tiefgründigs­ten, vielschichtigsten, erschütterndsten Zeugnissen seines Jahrhunderts zählt, und doch erklingt es auf den Opernbühnen selten nur.  Ein Grund für das mangelnde Interesse an Dallapiccolas «Il prigioniero» liegt womöglich in der Schwierigkeit, ein passendes Pendant zu finden, das thematisch wie musikalisch und philosophisch die Nähe zu dem Ein­akter nicht nur behauptet, sondern beglaubigt.

Beschaut man die Auf­füh­rungen, die es von der Oper gibt, fällt auf, dass die «Partner» wechseln: von Ravels «L’En­fant et les Sortilèges (was wahrlich nicht passt) reicht die Palette über Henzes «Ein Landarzt» auf Kafka (ebenfalls von 1948) bis hin zu Schönbergs «Ode to Napoleon», wie jüngst im Pariser Palais Garnier (siehe OW 6/2008); sogar eine Einrahmung mit dem Eingangschor aus der «Matthäus-Passion» wurde (in Wien) versucht.
Dabei liegt des Rätsels Lösung eigentlich auf der Hand: «Il prigioniero», kombiniert mit Bartóks Musiktheater «Herzog Blaubarts Burg», das ergibt den rechten Sinn; szenisch, musikalisch wie textlich und vor allem: psychologisch. Dass nun ausgerechnet die ...

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Opernwelt Juli 2008
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Jürgen Otten

Vergriffen
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