Nackt
Erstaunlich ist es schon. Da ist, seit nunmehr sechzig Jahren, ein Werk in der Welt, das zu den tiefgründigsten, vielschichtigsten, erschütterndsten Zeugnissen seines Jahrhunderts zählt, und doch erklingt es auf den Opernbühnen selten nur. Ein Grund für das mangelnde Interesse an Dallapiccolas «Il prigioniero» liegt womöglich in der Schwierigkeit, ein passendes Pendant zu finden, das thematisch wie musikalisch und philosophisch die Nähe zu dem Einakter nicht nur behauptet, sondern beglaubigt.
Beschaut man die Aufführungen, die es von der Oper gibt, fällt auf, dass die «Partner» wechseln: von Ravels «L’Enfant et les Sortilèges (was wahrlich nicht passt) reicht die Palette über Henzes «Ein Landarzt» auf Kafka (ebenfalls von 1948) bis hin zu Schönbergs «Ode to Napoleon», wie jüngst im Pariser Palais Garnier (siehe OW 6/2008); sogar eine Einrahmung mit dem Eingangschor aus der «Matthäus-Passion» wurde (in Wien) versucht.
Dabei liegt des Rätsels Lösung eigentlich auf der Hand: «Il prigioniero», kombiniert mit Bartóks Musiktheater «Herzog Blaubarts Burg», das ergibt den rechten Sinn; szenisch, musikalisch wie textlich und vor allem: psychologisch. Dass nun ausgerechnet die ...
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Kein Bühnenwerk Hans Werner Henzes ist geeigneter, die katalysatorische Rolle seines Schaffens im zeitgenössischen Kunstbetrieb fühlbar zu machen, als die 1966 bei den Salzburger Festspielen uraufgeführte Opera seria «Die Bassariden». Noch 42 Jahre später zeigt die Münchner Neuinszenierung, wie es um das Stück und seine Wirkung bestellt ist – besonders dank einer...
Manchmal werden selbst die üppigsten Rechnungen ohne den Wirt gemacht. Das Größte, das Schönste, das Beste sollte es sein, als man Anfang der neunziger Jahre in Baden-Baden über ein neues Veranstaltungshaus für Konzerte, Ballett- und Opernaufführungen nachdachte. Die beschauliche Stadt an der Oos hatte es satt, in der öffentlichen Wahrnehmung als Kurort und...
Herr Jenis, die Partie des Renato in Verdis «Un ballo in maschera» zählt zu den wichtigen Rollenporträts Ihres Fachs. Da liegt es auf der Hand, Sie mit anderen Baritonen zu vergleichen. Wollen wir?
Nein, wir wollen nicht. Vergleiche nützen nichts.
Das heißt, Sie vergleichen sich selbst nicht mit anderen herausragenden Stimmen, nach dem Motto: Denen komme ich...
