Der Kuss der Sphinx
Ildebrando Pizzetti gehört zusammen mit Alfredo Casella, Gian Francesco Malipiero und Ottorino Respighi zu jenen um 1880 geborenen italienischen Komponisten, die die Vorherrschaft der veristischen Oper brechen und sich verstärkt wieder an der Tradition der Instrumentalmusik orientieren wollten. Heutzutage ist ihr Schaffen, mit Ausnahme von Respighis populärer «Römischer Trilogie», vergessen und wird selbst in Italien nur noch selten aufgeführt.
Pizzetti, dessen Werk zwischen Katholizismus und Faschismus, Décadence und Stilkunst oszilliert, war gewiss die schillerndste Figur unter den Vieren, allein schon aufgrund seiner künstlerischen Zusammenarbeit mit dem nietzscheanischen Übermenschen Gabriele D’Annunzio, der gleichermaßen als Dichter, Politiker wie Frauenheld Furore machte.
Pizzettis 1915 uraufgeführte Oper «Fedra», die jetzt in Erfurt ihre verspätete deutsche Premiere erlebte, geht auf ein Schauspiel D’Annunzios zurück. Dieser hat aus Phädra, die verzweifelt ihren Stiefsohn Hippolytos liebt, eine machtwillige Hysterikerin gemacht – ein ausuferndes Drama, das den antiken Stoff als schwülstiges Bildungstheater präsentiert, in dessen ästhetischer Verherrlichung von Gewalt ...
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