«Was Wunder wimmerst du hier?»
An Wagners abstoßendem Antisemitismus kann es keinen Zweifel geben. Bis heute wird jedoch kontrovers diskutiert, ob sich dieser Antisemitismus auch in seinem musikdramatischen Werk niederschlägt. Im Richard-Wagner-Handbuch von 1986 verficht der Literaturwissenschaftler und Wagner-Kenner Dieter Borchmeyer mit aller Leidenschaft und in erklärter Wendung gegen Theodor W. Adorno die These, Wagner habe «sein musikdramatisches Werk trotz seiner heftigen antijüdischen Polemik von antisemitischen Tendenzen durchaus freigehalten».
Er meint dies «gegenüber anderslautenden spekulativen Behauptungen philologisch festhalten» zu können (S. 160).
Demgegenüber hat der amerikanische Germanistikprofessor Marc A. Weiner in seinem 1995 im englischen Original und 2000 in deutscher Übersetzung erschienenen Buch «Richard Wagner and the anti-Semitic Imagination» beachtliche Argumente für das Gegenteil vorgestellt. Zwar mag die Quintessenz der Untersuchungen, dass nämlich «das Programm des Hasses und die Unwiderstehlichkeit der Musik» auf letztlich unerklärliche Weise aufeinanderträfen, in ihrer Hilflosigkeit kaum zu überzeugen. Spannend sind jedoch die Belege, die Weiner für die kulturelle Codierung des ...
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