Ein Bild zerfällt
In Oscar Wildes Roman «Das Bildnis des Dorian Gray» lässt sich der Titelheld in seiner Jugend von einem berühmten Maler porträtieren, um wenigstens auf dem Bild etwas von seiner Schönheit zu bewahren. Vorsorglich verhängt er das Gemälde, um nicht jeden Tag die wachsende Differenz zwischen Abbild und persönlicher Realität feststellen zu müssen.
Bekanntlich geht die Geschichte so aus, dass Dorian Gray in der Wirklichkeit bis ins hohe Alter unverändert der strahlende Jüngling bleibt, obwohl er ein liederliches Leben führt, während sich hinter dem Vorhang der Alterungsprozess auf dem Porträt abzeichnet. Der Anblick ist tödlich. Der Diener findet den toten Gray als hässlichen Greis, während das Bild nunmehr wieder in alter Herrlichkeit leuchtet.
In der Kaiserslauterner Aufführung von Leos Janáceks «Die Sache Makropulos» entwickelt die Regisseurin Mareike Zimmermann eine vergleichbare «optische» Dramaturgie. Sie führt ein stummes Double für die Figur der Emilia Marty ein, kleinwüchsiger, faltiger, graugesichtiger, in der gleichen Kleidung. Geraldine Navarro spielt diese stumme Emilia mit einer wunderbaren, leisen Präsenz: eine Botin aus dem Schattenreich, in das die lebende Emilia bald ...
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An Wagners abstoßendem Antisemitismus kann es keinen Zweifel geben. Bis heute wird jedoch kontrovers diskutiert, ob sich dieser Antisemitismus auch in seinem musikdramatischen Werk niederschlägt. Im Richard-Wagner-Handbuch von 1986 verficht der Literaturwissenschaftler und Wagner-Kenner Dieter Borchmeyer mit aller Leidenschaft und in erklärter Wendung gegen Theodor...
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