Ein Bild zerfällt
In Oscar Wildes Roman «Das Bildnis des Dorian Gray» lässt sich der Titelheld in seiner Jugend von einem berühmten Maler porträtieren, um wenigstens auf dem Bild etwas von seiner Schönheit zu bewahren. Vorsorglich verhängt er das Gemälde, um nicht jeden Tag die wachsende Differenz zwischen Abbild und persönlicher Realität feststellen zu müssen.
Bekanntlich geht die Geschichte so aus, dass Dorian Gray in der Wirklichkeit bis ins hohe Alter unverändert der strahlende Jüngling bleibt, obwohl er ein liederliches Leben führt, während sich hinter dem Vorhang der Alterungsprozess auf dem Porträt abzeichnet. Der Anblick ist tödlich. Der Diener findet den toten Gray als hässlichen Greis, während das Bild nunmehr wieder in alter Herrlichkeit leuchtet.
In der Kaiserslauterner Aufführung von Leos Janáceks «Die Sache Makropulos» entwickelt die Regisseurin Mareike Zimmermann eine vergleichbare «optische» Dramaturgie. Sie führt ein stummes Double für die Figur der Emilia Marty ein, kleinwüchsiger, faltiger, graugesichtiger, in der gleichen Kleidung. Geraldine Navarro spielt diese stumme Emilia mit einer wunderbaren, leisen Präsenz: eine Botin aus dem Schattenreich, in das die lebende Emilia bald ...
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Glanzvoller Abschluss der Ära Pierwoß in Bremen: Mit einer orchestral hinreißenden «Tristan»-Premiere endete eine für die Hansestadt denkwürdige Musiktheater-Epoche, in der die Bremer Oper mit maßstabsetzenden Inszenierungen und bedeutenden sängerischen wie dirigentischen Leistungen immer wieder auch überregional von sich reden machte: Wir werden im Jahrbuch «Oper...
Tornerà d’auro il secolo?» – Wird das Goldene Zeitalter wiederkehren?, fragt der Chor im jubeltrunkenen Finalstück jener legendären sechs «Florentiner Intermedien», die 1589 für eine pompöse Aufführung der Komödie «La pellegrina» am Hof der Medici entstanden. Vor 418 Jahren war das natürlich nur eine rhetorische Frage: Dass die Vermählung des Großherzogs Ferdinando...
In der Operette «Wiener Blut», deren Musik nach Stücken von Johann Strauß zusammengeschustert wurde, geht es um das, was der Titel verspricht: «Wienerblut, eigner Saft, voller Kraft, voller Glut». Damit richtig deutlich werden kann, was damit gemeint ist, bedarf es eines Kontrastes, eines Blutes gewissermaßen, das ganz und gar nicht wienerisch ist und in Wien...
