Innere Dramatik
Glanzvoller Abschluss der Ära Pierwoß in Bremen: Mit einer orchestral hinreißenden «Tristan»-Premiere endete eine für die Hansestadt denkwürdige Musiktheater-Epoche, in der die Bremer Oper mit maßstabsetzenden Inszenierungen und bedeutenden sängerischen wie dirigentischen Leistungen immer wieder auch überregional von sich reden machte: Wir werden im Jahrbuch «Oper 2007» ausführlich Bilanz ziehen.
Besonders profilieren konnte sich in letzter Zeit der für den abhanden gekommenen GMD als musikalischer Leiter des Hauses amtierende Stefan Klingele, der jetzt auch dem «Tristan» seine persönlichkeitsstarke Handschrift aufprägte. Eine aus dem ruhigen Bewusstsein um großräumige Strukturen wie um Steigerungs- und Wirkungsmöglichkeiten im Einzelnen heraus musizierte Interpretation, basierend auf dem stets durchsichtigen und klaren, dabei immer auf eine außergewöhnlich hohe Klangkultur zielenden Spiel der Bremer Philharmoniker. Klingeles «Tristan» ist nicht von äußerlicher, sondern von innerer Dramatik geprägt – gelassen, ohne Hektik, trotzdem von einer immensen Spannung. Eine Leistung, die eine für die Jugend des Dirigenten erstaunliche Reife dokumentiert.
Dazu eine Sängerbesetzung, die ...
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In einer Enzyklopädie der Gesangskunst, die noch geschrieben werden muss, hat er ein eigenes Kapitel verdient, auch wenn er heute nur noch wenigen Kennern ein Begriff ist: Der rumänische Tenor Petre Munteanù (1916-1988) vertritt den Typus des «tenore di grazia» in Reinkultur, wobei dieser Terminus weniger ein Stimmfach bezeichnet als eine ästhetische Haltung.
Eigent...
Von Beginn an ist die Tragödie unausweichlich. Die Doubles von Luisa und Rodolfo liegen bereits tot am Boden. Der schwarz gewandete Chor: eine Trauergemeinde an einem imaginären offenen Grab. Am Ende fast dasselbe Bild, nur dass jetzt die vergiftete junge Frau ihr nahes Ende antizipiert, sich selbst die Augen schließt und ihrem Double die Arme über der Brust...
In der Woche vor der Premiere von Mussorgskys «Boris Godunow» an der Wiener Staatsoper war Vladimir Putin auf Staatsbesuch in Wien, was die satirische Bemerkung kursieren ließ, Macht wechsle häufiger von Hand zu Hand als von Kopf zu Kopf. Als Aphorismus klingt das gut, doch ist es leider historische Realität – nicht nur der russischen Geschichte, die in Mussorgskys...
