Was die Maus erzählt

Bekenntnis zur Moderne: Voll Empathie inszeniert Anna Smolar in Lille Edisson Denissows «L’Écume des jours», die Musik überzeugt in ihrer Vielgestalt

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Auf Deutsch heißt Boris Vians Roman jetzt «Die Gischt der Tage», nicht mehr «Schaum». Dafür mag es Gründe geben. Auf der Rückseite der Neuübersetzung liest man das Statement «Vian altert nicht». Das ist eine Setzung für den 1947 zunächst ohne größere Resonanz erschie -nenen Roman, der dann in den wilden späten 1960er- und 1970er-Jahren zum «Kultbuch» avancierte.

Die Geschichte einer bedingungslos verrückten Liebe zwischen dem jungen reichen Pariser Colin und der zarten Chloé, die sterben muss, weil eine Blume des Bösen – Seerose, Lotos, wer weiß – in ihrer Lunge wuchert. Bei Vian spielt die romantische Realität lustvoll ins Surreale, Aale kommen durch die Wasserleitung und werden von Colins genialischem Koch zu Pastete verarbeitet, Wände verschieben sich unter dem Einfluss von Stimmungen und Musik, am besten der Platten von Duke Ellington, Gewehrläufe wachsen aus Erde und menschlicher Wärme …

Colins bester Freund Chick gibt all sein Geld für die Bücher des fetischhaft bewunderten Philosophen «Jean-Sol Partre» aus, man geht Eislaufen, feiert Hundegeburtstag und dann Hochzeit mit Jesus als Ehrengast. Soweit so unbeschwert heiter. Bis die böse Blume kommt und alles Glück und bald ...

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Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Holger Noltze

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