Was die Maus erzählt
Auf Deutsch heißt Boris Vians Roman jetzt «Die Gischt der Tage», nicht mehr «Schaum». Dafür mag es Gründe geben. Auf der Rückseite der Neuübersetzung liest man das Statement «Vian altert nicht». Das ist eine Setzung für den 1947 zunächst ohne größere Resonanz erschie -nenen Roman, der dann in den wilden späten 1960er- und 1970er-Jahren zum «Kultbuch» avancierte.
Die Geschichte einer bedingungslos verrückten Liebe zwischen dem jungen reichen Pariser Colin und der zarten Chloé, die sterben muss, weil eine Blume des Bösen – Seerose, Lotos, wer weiß – in ihrer Lunge wuchert. Bei Vian spielt die romantische Realität lustvoll ins Surreale, Aale kommen durch die Wasserleitung und werden von Colins genialischem Koch zu Pastete verarbeitet, Wände verschieben sich unter dem Einfluss von Stimmungen und Musik, am besten der Platten von Duke Ellington, Gewehrläufe wachsen aus Erde und menschlicher Wärme …
Colins bester Freund Chick gibt all sein Geld für die Bücher des fetischhaft bewunderten Philosophen «Jean-Sol Partre» aus, man geht Eislaufen, feiert Hundegeburtstag und dann Hochzeit mit Jesus als Ehrengast. Soweit so unbeschwert heiter. Bis die böse Blume kommt und alles Glück und bald ...
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Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Holger Noltze
Friedrich Schillers «romantische Tragödie» war Tschaikowskys Hauptquelle, aber mit signifikanten Änderungen. So nimmt die Liebeshandlung mit dem burgundischen Ritter Lionel (bei Schiller ein Engländer) deutlich mehr Raum ein, und ihr Ende findet Jeanne d’Arc nicht auf dem Schlachtfeld, sondern auf einem Scheiterhaufen. Es lässt sich spekulieren, warum. Am Ende von...
Auch der feige Spießer verlangt zuweilen nach einer Prise Spaß. Aber woher nehmen, wenn niemand da ist, der ihm diesen gewährt? Da hilft so manchem nur der Alkohol, um dem Absolutismus der Wirklichkeit zu entfliehen und das eigene Bewusstsein zu überlisten, welches ja seiner selbst gar nicht bewusst ist, solange es von sich selbst getäuscht wird. Also trinkt sich...
In der ersten Pause dieses fünfstündigen Abends suchen einige Besucher das Weite. Das ist durchaus verständlich, vor allem, wenn man ganz unvorbereitet in die Aufführung geht: Eine Frau sitzt auf einem Leuchtturm und gebiert ein Kind. Und später noch eines. Davor betreten Heinzelmännchen und andere seltsame Gestalten die Bühne, singen und bewegen sich eigenwillig....
