Was die Maus erzählt
Auf Deutsch heißt Boris Vians Roman jetzt «Die Gischt der Tage», nicht mehr «Schaum». Dafür mag es Gründe geben. Auf der Rückseite der Neuübersetzung liest man das Statement «Vian altert nicht». Das ist eine Setzung für den 1947 zunächst ohne größere Resonanz erschie -nenen Roman, der dann in den wilden späten 1960er- und 1970er-Jahren zum «Kultbuch» avancierte.
Die Geschichte einer bedingungslos verrückten Liebe zwischen dem jungen reichen Pariser Colin und der zarten Chloé, die sterben muss, weil eine Blume des Bösen – Seerose, Lotos, wer weiß – in ihrer Lunge wuchert. Bei Vian spielt die romantische Realität lustvoll ins Surreale, Aale kommen durch die Wasserleitung und werden von Colins genialischem Koch zu Pastete verarbeitet, Wände verschieben sich unter dem Einfluss von Stimmungen und Musik, am besten der Platten von Duke Ellington, Gewehrläufe wachsen aus Erde und menschlicher Wärme …
Colins bester Freund Chick gibt all sein Geld für die Bücher des fetischhaft bewunderten Philosophen «Jean-Sol Partre» aus, man geht Eislaufen, feiert Hundegeburtstag und dann Hochzeit mit Jesus als Ehrengast. Soweit so unbeschwert heiter. Bis die böse Blume kommt und alles Glück und bald ...
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Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Holger Noltze
Es dauert lange, bis in dieser Inszenierung ein sprechendes Bild auf der Bühne zu sehen ist, eines, in dem Musik und Darstellung zu geglückter Ergänzung finden. Im vierten Akt erscheint ein Geiger im Frack in der traurigen U-Bahn-Unterwelt, in der sich «Ruslan und Ljudmila» in Hamburg meist zuträgt, und macht Straßenmusik. Aber was für eine: Das weit ausgreifende...
Seit Jahren werfen die Traditionslabels Mega-Boxen auf den Markt. Sie verbindet, dass sie oft das aufgedruckte Versprechen der «Vollständigkeit» nicht halten, wie im Fall der jetzt von Warner Classics veröffentlichten Edition «Complete Remastered Studio Recordings», die dem italienischen Dirigenten Carlo Maria Giulini (1914–2005) und seinen vor allem für Columbia...
Als Ali in Brüssel ankommt, hat niemand auf ihn gewartet. Er ist einer von vielen sogenannten «unbegleiteten Minderjährigen». Und dann auch noch aus Somalia. Das sind die, die man so schlecht abschieben könne, verkündet eine zynische Europa-Freiheitsstatuen-Chimäre in einer der stärksten Szenen des Abends. Raphaële Green singt sie mit warmem Mezzo. Alis Geschichte...
