Frau Luna lächelt
Auch der feige Spießer verlangt zuweilen nach einer Prise Spaß. Aber woher nehmen, wenn niemand da ist, der ihm diesen gewährt? Da hilft so manchem nur der Alkohol, um dem Absolutismus der Wirklichkeit zu entfliehen und das eigene Bewusstsein zu überlisten, welches ja seiner selbst gar nicht bewusst ist, solange es von sich selbst getäuscht wird.
Also trinkt sich Matej Broućek, wie er da einsam und allein unter einer Laterne in den Gassen seiner Heimatstadt hockt, den Bierhumpen in der Hand, mitten hinein in (s)eine Scheinwelt, und weil der Mond über Prag ohnehin gerade scheint, träumt er sich gleich mal hinauf in trabantisch-interstellare Sphären.
«Die Ausflüge des Herrn Broućek» sind Janáčeks einzige satirische Oper; die Frage ist nur, in welcher Sprache man sie aufführen sollte. Die Verantwortlichen des Tiroler Landestheaters Innsbruck haben sich für die deutsche Übersetzung entschieden, was zwar der Verständlichkeit dient (wer die verworren-surreale Handlung und ihre historischen Verweise nicht kennt, ist ohnehin heillos verloren), Janàčeks Sprechmelodien aber einen erheblichen Teil ihrer Magie raubt. Wie man es dreht und wendet, im Original klingen die «nápêvky mluvy» um ein ...
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Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Panorama, Seite 58
von Jürgen Otten
Die «Walküre» ist die mit Abstand populärste Oper aus Wagners «Ring». Doch findet sich darin die wohl unbeliebteste halbe Stunde der ganzen Tetralogie, noch vor der ähnlich langen Wissenswette in «Siegfried»: Wotans sogenannter Monolog im zweiten Aufzug. In Tat und Wahrheit handelt es sich dabei um eine erst nachdenklich, dann zunehmend hitzig formulierte...
Jubilare
Nach ersten Erfahrungen in der Zarzuela-Truppe seines Vaters debütierte Plácido Domingo, der am 21. Januar seinen 85. Geburtstag feiert (über sein tatsächliches Geburtsjahr gibt es gleichwohl unterschiedliche Angaben), als 20-Jähriger in Mexico City als Alfredo. Ein Jahr später, 1962, wurde er Mitglied der Oper in Tel Aviv, dort blieb er drei Spielzeiten,...
Es dauert lange, bis in dieser Inszenierung ein sprechendes Bild auf der Bühne zu sehen ist, eines, in dem Musik und Darstellung zu geglückter Ergänzung finden. Im vierten Akt erscheint ein Geiger im Frack in der traurigen U-Bahn-Unterwelt, in der sich «Ruslan und Ljudmila» in Hamburg meist zuträgt, und macht Straßenmusik. Aber was für eine: Das weit ausgreifende...
