Frau Luna lächelt
Auch der feige Spießer verlangt zuweilen nach einer Prise Spaß. Aber woher nehmen, wenn niemand da ist, der ihm diesen gewährt? Da hilft so manchem nur der Alkohol, um dem Absolutismus der Wirklichkeit zu entfliehen und das eigene Bewusstsein zu überlisten, welches ja seiner selbst gar nicht bewusst ist, solange es von sich selbst getäuscht wird.
Also trinkt sich Matej Broućek, wie er da einsam und allein unter einer Laterne in den Gassen seiner Heimatstadt hockt, den Bierhumpen in der Hand, mitten hinein in (s)eine Scheinwelt, und weil der Mond über Prag ohnehin gerade scheint, träumt er sich gleich mal hinauf in trabantisch-interstellare Sphären.
«Die Ausflüge des Herrn Broućek» sind Janáčeks einzige satirische Oper; die Frage ist nur, in welcher Sprache man sie aufführen sollte. Die Verantwortlichen des Tiroler Landestheaters Innsbruck haben sich für die deutsche Übersetzung entschieden, was zwar der Verständlichkeit dient (wer die verworren-surreale Handlung und ihre historischen Verweise nicht kennt, ist ohnehin heillos verloren), Janàčeks Sprechmelodien aber einen erheblichen Teil ihrer Magie raubt. Wie man es dreht und wendet, im Original klingen die «nápêvky mluvy» um ein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2026
Rubrik: Panorama, Seite 58
von Jürgen Otten
Es dauert lange, bis in dieser Inszenierung ein sprechendes Bild auf der Bühne zu sehen ist, eines, in dem Musik und Darstellung zu geglückter Ergänzung finden. Im vierten Akt erscheint ein Geiger im Frack in der traurigen U-Bahn-Unterwelt, in der sich «Ruslan und Ljudmila» in Hamburg meist zuträgt, und macht Straßenmusik. Aber was für eine: Das weit ausgreifende...
Mélisande hat eine Seele, die wir nicht verstehen: Kristallin ist sie und fiebrig vor Angst, durchscheinend und doch unergründlich. An diesem Premierenabend in der Bergen Nasjonale Opera verkörpert das nicht nur die fabelhafte Sofia Nesje Enger in der Titelrolle, der Dirigent Dinis Sousa und der Regisseur Alan Lucien Øyen denken in schönem und selten so...
Ambroise Thomas (1811–1896) hielt es mit der Weltliteratur. Seine beiden einstigen Erfolgsopern «Mignon» (1866) und «Hamlet» (1868), denen man inzwischen auf der Bühne kaum mehr begegnet, wagten sich an Goethe und Shakespeare. Aber bereits für die 1857 an der Pariser Opéra-Comique uraufgeführte «Psyché» plünderten die Librettisten Jules Barbier und Michel Carré das...
