Warum?
Vielleicht hat die Arie der Rezeption fast geschadet: Die Auskopplung von «Rachel, quand du Seigneur», die Beförderung zu einem der Opernhits des 19. Jahrhunderts, raubte der Figur des Eléazar im allgemeinen Bewusstsein entscheidende Facetten. Ein Verzweifelter? Ein grundlos Ausgestoßener, der am Rand von Fassung und Leben seinen Gott um letzte Hilfe anfleht? Die eigentliche Hauptperson von «La Juive» ist aber auch: ein von Hass Zerfressener, ein Zerrissener, den religiöser Wahn und falsch verstandene Gebote in Abgründe getrieben haben.
Eine der widersprüchlichsten Tenorrollen tut sich da folglich auf. Doch das lässt sich an diesem Abend nur in Ansätzen (wenn überhaupt) erahnen.
In der Münchner Opernfestspiel-Premiere von Fromental Halévys Drama sieht Roberto Alagna über fast zwei Drittel der Distanz so aus wie Dustin Hoffman in «Tod eines Handlungsreisenden». Ledertasche, graues zurückgekämmtes Haar, eine verkniffene Existenz, die plötzlich, wenn der Schlager des vierten Akts anbricht, schluchzendes Pathos auspacken darf. Letzteres geht wohl aufs Konto von Alagna, der Rest auf das eines Regisseurs, bei dem nicht klar wird, warum er den Auftrag angenommen hat. Über die Rolle des ...
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Opernwelt August 2016
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Markus Thiel
ML = Musikalische Leitung
I = Inszenierung
B = Bühnenbild
K = Kostüme
C = Chor
S = Solisten
P = Premiere
AP = A-Premiere
BP = B-Premiere
UA = Uraufführung
WA = Wiederaufnahme
Deutschland
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Elisabeth Stöppler hat «Dialogues des Carmélites», eine der beklemmendsten Opern der klassischen Moderne, nicht auf den Kopf gestellt wie Dmitri Tcherniakov in seiner umstrittenen, von den Poulenc-Erben inkriminierten Münchner Inszenierung. Aber auch sie rückt das Stück um das historisch verbürgte Martyrium der 16 Karmelitinnen von Compiègne während der...
Ein Glöckchen ertönt, und wie von Zauberhand bewegt schieben sich neue Kulissenteile auf die Gassenbühne, während im Hintergrund ein anderer Prospekt abrollt: ein Verwandlungsakt, der etwas ganz Besonderes darstellt und sich im Ekhof-Theater auf Schloss Friedenstein noch einige Male wiederholen soll. Kein Wunder, besitzt das herzogliche Barocktheater doch eine...
