Modernes Martyrium
Elisabeth Stöppler hat «Dialogues des Carmélites», eine der beklemmendsten Opern der klassischen Moderne, nicht auf den Kopf gestellt wie Dmitri Tcherniakov in seiner umstrittenen, von den Poulenc-Erben inkriminierten Münchner Inszenierung.
Aber auch sie rückt das Stück um das historisch verbürgte Martyrium der 16 Karmelitinnen von Compiègne während der Französischen Revolution weg vom gefühligen Kloster-Realismus und stößt zu seinem Kern, dem zentralen Anliegen Poulencs wie seiner beiden literarischen Kronzeugen Gertrud von le Fort und Georges Bernanos, vor: der Lebensangst der jungen Blanche de la Force, geboren beim Tod der Mutter, in Todesfurcht lebend, die sie aus der gefährdeten Welt von Vater und Bruder in die abgeschiedene Gemeinschaft des Karmel treibt.
Aber auch dort verliert sie ihre Zweifel nicht, wird Zeugin des schweren, keineswegs in religiöser Gefasstheit erlittenen Todes der alten Priorin, des Machtkampfs von deren Nachfolgerin mit der Subpriorin Mère Marie, und begegnet in der scheinbar lebenslustigen Novizin Constance einer gleichfalls traumatisierten, von Todessehnsucht erfüllten Schwester. Nicht zuletzt wird sie dort von den revolutionären Ereignissen ...
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Opernwelt August 2016
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Uwe Schweikert
Über die Notwendigkeit mancher Ausgrabung lässt sich streiten (sie-he OW 4/2016, S. 71), über diese nicht: Was die Stiftung Palazzetto Bru Zane hier vorlegt, ist ein abgeklärtes Meisterwerk. Gewiss: Bei den Zeitgenossen konnte sich dieser Spätling Gounods nicht durchsetzen, aber das gelang in Paris keiner einzigen historischen Oper nach Meyerbeers «Prophète»....
Man muss sie mögen, die Oper unter freiem Himmel. Tut man das aber, findet man sich ab mit wenig bequemen Sitzgelegenheiten, unfreundlichen Temperaturen und plaudernden Nachbarn. Auch mit dem blechernen Klang des Orchesters, das sich über eine verhältnismäßig bescheidene Verstärkeranlage bemerkbar macht, und dem ebenfalls verstärkten Darsteller, der rechts singt,...
Herr Gnann, ist das Korrepetieren eine gute Schule für Dirigenten?
Für mich auf jeden Fall. Ich komme vom Klavier. An diesem Instrument kann man die Architektur einer Partitur ziemlich gut erfassen. Als Dirigent fühle ich mich wohler, wenn ich die Töne selbst in der Hand hatte, bevor ich vor das Orchester trete. Es geht dabei nicht um eine perfekte Wiedergabe,...
