War was?

Wie Russlands Opernhäuser mit der Covid-Krise umgehen: Business as usual am Bolschoi und Mariinsky, Fantasie und Improvisation in den Regionen

Anfang September nahm das Bolschoi Theater wieder den Spielbetrieb auf. Hinter der Bühne warnte ein Schild: «Es ist verboten, die Solisten zu umarmen. Bitte machen Sie keine Fotos mit dem Ensemble.» Zuvor war Russlands größtes Opernhaus für einige Monate geschlossen gewesen, seit dem späten Frühjahr wurden alle regulären Vorstellungen abgesagt, Neuproduktionen stillschweigend in die nächste Saison verschoben.

Nun aber brummte das Haus vor Aufregung: Man hatte Anna Netrebko als Zugpferd für Verdis «Don Carlo» verpflichtet, dazu den großen Bassisten Ildar Abdrazakov und Netrebkos Gatten Yusif Eyvazov. Der Medienzirkus rotierte auf Hochtouren.

Zwei Tage nach Wiederaufnahme der 2013 von Adrian Noble betreuten Inszenierung ging das Gerücht um, Abdrazakov sei positiv auf das Corona-Virus getestet worden. Kurz darauf wurde Netrebko selbst ins Krankenhaus gebracht. Kaum war sie entlassen, sang sie auch schon wieder an der Scala, später auch am Mariinsky Theater in Sankt Petersburg. Unterdessen schickte das Bolschoi ein paar Mitarbeiter zum Test. Ansonsten lief alles weiter wie gehabt, Chor und Statisten agierten auf der Bühne, als sei nichts geschehen. Und mancher Star reiste gern aus dem ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2020
Rubrik: Magazin, Seite 58
von Aya Makarova

Weitere Beiträge
Seufzende Hirten, blökende Herden

Der aus Modena stammende Giovanni Bononcini (1670–1747) war Händels wichtigster Kollege und Rivale während seines ersten Londoner Opernunternehmens in den 1720er-Jahren. Einem zeitgenössischen Pamphletisten zufolge drücke Händels Musik «den Zorn von Tyrannen, die Leidenschaften der Helden und die Nöte der Liebenden im heroischen Stil» aus, die Bononcinis dagegen...

Grandioser Drahtseilakt

Gleich im ersten Bild von Evgeny Titovs Inszenierung der Schicksalsoper «Lady Macbeth von Mzensk» herrscht beklemmende Tristesse. Die Bühne (Christian Schmidt) ist verödet und grau, von den Wänden starrt der Schmutz; das alles erinnert doch sehr an einen verlassenen Schlachthof oder Gefängniswaschraum. Die abweisende Kälte dieses Ortes steht in diametralem...

Schöne alte Welt

Seltsam, diese patinierte Eleganz. Diese Zuflucht in ein behaustes «Es war einmal», in eine fragile Idylle, auf die durchaus Schatten fallen, die aber doch glänzt wie das Licht biedermeierlicher Veduten. Das beginnt mit der Aufmachung, dem Weich­zeichner-Porträt der Solistin auf dem Cover, Reminiszenz an die Foto-Medaillon-Kultur des späten 19. und frühen 20....