Das Schreckliche so schön
Rainer Maria Rilke hatte vermutlich seinen Hegel gerade nicht zur Hand, als er, in den «Duineser Elegien» war es, die poetische These formulierte, das Schöne sei «nichts als des Schrecklichen Anfang». Vergegenwärtigen wir uns nur einmal die Geschichte von Orpheus, dem Ursänger, und seiner geliebten Eurydike, so mag dieses Wort des Dichters zwar zutreffen.
Hört man aber Claudio Monteverdis Musik aus «L’Orfeo», die das mythische Sujet in erhabene Klänge kleidete, dann gilt das ganze Gegenteil: Das Schreckliche, hier: Eurydikes Tod und die verunglückte Rückholaktion durch ihren Geliebten, ist eben auch nichts als des Schönen Anfang.
Vor allem, wenn es mit solch stilistischer Seriosität, so sinnlich und transparent musiziert wird wie am Musiktheater im Revier in Gelsenkirchen. Werner Ehrhardt und die Neue Philharmonie Westfalen treffen in dieser Gemeinschaftsproduktion von Oper, Tanz und Puppenspiel exakt den richtigen Ton für Monteverdis mal zart-elegische, mal beschwingte, psychologisch minuziös austarierte Favola in Musica. Die Phrasen atmen, die Dynamik ist fein abgestuft, der Klang besitzt das richtige Maß zwischen nobler Dezenz und geschliffener Rhetorik – Klangrede vom ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2020
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Jürgen Otten
Da hat Peter Carp sicher recht. Dass Herbert Fritsch an seinem Haus inszeniert, sei auch «ein bisschen ein Nebeneffekt von Corona». Vermutlich wäre der Schauspieler, der als Theaterregisseur eine grandiose Spätkarriere hingelegt hat, in guten Zeiten an größeren Häusern beschäftigt. Andererseits ist sein Regiedebüt am Theater Freiburg überfällig; schließlich war...
Eine «Lucia auf komisch» sei die Sache. Das Libretto «äußerst fragwürdig, an großer Pathetik krankend». So urteilte Brigitte Fassbaender in ihrer so eigenen, ironisch-unwirschen Art. Warum man dann «Dame Kobold» überhaupt riskiert? Es ist die Musik.
Doch zuvor musste Joachim Raffs Dreiakter, 1870 uraufgeführt in Weimar, in die Regensburger Theaterwerkstatt....
Bis heute weiß niemand, warum es im Jahr 1763 nicht mehr zur Uraufführung von «Les Boréades» kam, obwohl bereits Proben für Jean-Philippe Rameaus letzte Oper stattgefunden hatten. War es das veraltete Genre der tragédie lyrique, an dem der knapp 80-Jährige festhielt, nachdem er zuvor jahrelang nichts Neues mehr komponiert hatte? Oder war es gerade die Neuheit der...
