Wanderer, wohin führt dich dein Weg?

Eine anrührende Wiederentdeckung: Olena Tokar und Stephan Genz singen Orchesterlieder von Othmar Schoeck

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Stellen wir uns die Szene vor: ein Wanderer, einsam und allein, verbunden nur mit der Natur, die ihn schützend umgibt, ihn zugleich aber auch auf seine solipsistische Existenz verweist. Da hockt er nun inmitten der mächtigen Felsen, von still und träge vorüberziehenden Nebelschwaden eingehüllt, und hat sein Lied bereits gesungen. Was er vernimmt, ist nur das Echo, das von den Steinwänden zurückprallt: sanft und doch geheimnisumwittert, dunkel, zugleich süßlich-schwer, bald irgendwo zwischen den Bäumen verhallend.

«Nachhall» heißt der Liedzyklus für Singstimme und Orchester, den Othmar Schoeck in späten Lebensjahren, zwischen 1954 und 1956, zu Papier brachte, gleichsam als ein Psychogramm seiner in Unwucht geratenen Seele. Durch einen Herzanfall geschwächt, in der Welt an den Rand gedrängt, musikalisch wie menschlich sich missverstanden wähnend, zieht er klingendes Fazit. Und findet, um seine Traurigkeit in angemessene Töne kleiden zu können, in Nikolaus Lenau auch gleich den passenden Dichter. «Hast du schon je dich ganz allein gefunden, / Lieblos und ohne Gott auf einer Heide, / Die Wunden schnöden Missgeschicks verbunden / Mit stolzer Stille, zornig dumpfem Leide?» – so beginnt ...

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Opernwelt September/Oktober 2024
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 46
von Jan Verheyen

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