Die innere Freiheit

Ein Nachruf auf den großen Komponisten Wolfgang Rihm

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Die Erinnerung ist hellwach an jenen Tag vor mehr als 20 Jahren, der in der Rückschau ein wolkenloser war. Karlsruhe, Hauptbahnhof. Wahrlich kein schöner, anmutiger Ort. Eher prosaisch, ein guter Treffpunkt.

Als der Gast sich aus dem pünktlich (!) angelangten ICE herausschält und auf den Bahnsteig begibt, sieht er sogleich in der Ferne eine hünenhafte Gestalt mit majestätischem Charakterkopf, die wie ein Leuchtturm aus der Menschenmenge emporragt, in wenigen Sekunden den Besucher ausfindig gemacht hat, eifrig mit den Händen winkend, um dann, bei der Begrüßung, großzügig-gewinnend zu lächeln. Unvergessen bis heute der Gesichtsausdruck dieses vorwiegend heiteren Bewohners der Gelehrtenrepublik bei der Inaugenscheinnahme: neugierig-zugeneigt.

Es ist dies eine Eigenschaft, die nicht nur den Menschen, sondern auch den Künstler Wolfgang Rihm treffend beschreibt. Mochte er nie mit dem Strom mitschwimmen, den andere (auch für ihn) ausgehoben hatten, mochte er an so mancher Kreuzung lieber einen Sonderweg wählen wie Zack (cool wie immer: Tom Waits) in dem grandiosen Film «Down by law» von Jim Jarmusch, der am Ende, als die beiden Übriggebliebenen an einer Weggabelung stehen, auf die Frage ...

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Opernwelt September/Oktober 2024
Rubrik: In Erinnerung, Seite 81
von Jürgen Otten

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