Eine echte Rarität
Mieczysław Weinbergs 1971 vollendete Operette «Die Liebe des d’Artagnan» war zu ihrer Zeit überaus populär in verschiedenen Theatern der UdSSR aufgeführt. Die Textvorlage schrieb Elena Galperina Ende der 1950er-Jahre, wobei sie den Roman von Alexandre Dumas weiterentwickelte und ergänzte. Im Mittelpunkt stehen hier nicht die Abenteuer und Heldentaten der Musketiere, sondern die Liebesgeschichte von d’Artagnan und Constance. Hinzugefügt wurde das «buffoneske Duo» Planchet und Babette.
Dem Regisseur Igor Uschakow und seinem Choreografen Andrei Merkurjew erschien es aber wohl als zu langweilig, einfach der geradlinigen Handlung dieser Operette mit gesprochenen Dialogen zu folgen. Also fügten sie eine Chronik der Aufführung des Romans in einem sowjetischen Kulturhaus der 1970er-Jahre hinzu und brachten zahlreiche Nummern im Stil des klassischen Balletts in die Handlung ein. Für diese Einlagen bediente man sich bei Weinbergs «Choreographischer Symphonie» (1973), deren Stil sich aber erheblich von der lebhaft-bunten Sprache des Werks unterscheidet. Wahrscheinlich empfand die Regie die freche, kaleidoskopisch bunte Ironie der Operette als allzu leichtfertig, und sie beschlossen, in den ...
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Opernwelt September/Oktober 2024
Rubrik: Magazin, Seite 94
von Alexej Parin
Die Erinnerung ist hellwach an jenen Tag vor mehr als 20 Jahren, der in der Rückschau ein wolkenloser war. Karlsruhe, Hauptbahnhof. Wahrlich kein schöner, anmutiger Ort. Eher prosaisch, ein guter Treffpunkt. Als der Gast sich aus dem pünktlich (!) angelangten ICE herausschält und auf den Bahnsteig begibt, sieht er sogleich in der Ferne eine hünenhafte Gestalt mit...
Stellen wir uns die Szene vor: ein Wanderer, einsam und allein, verbunden nur mit der Natur, die ihn schützend umgibt, ihn zugleich aber auch auf seine solipsistische Existenz verweist. Da hockt er nun inmitten der mächtigen Felsen, von still und träge vorüberziehenden Nebelschwaden eingehüllt, und hat sein Lied bereits gesungen. Was er vernimmt, ist nur das Echo,...
Der Mond als keusche Göttin, der heilige Hain, die Misteln, zuletzt auch das zerstörend-reinigende Feuer: Die Natur spielt in Vincenzo Bellinis «Norma» bekanntlich eine große Rolle – und bei Freilichtaufführungen erst recht. Ohne ein schützendes Operndach über dem Kopf begeben sich Stimmfetischistinnen und Belcanto-Verehrer ebenso notgedrungen wie passend in Gottes...
