Walhall des 21. Jahrhunderts

Albrecht Thiemann über einen neuen «Ring» in Valencia, den La Fura dels Baus als Cyber-Theater aufbereitet hat

Riesenvogel, Raubfisch, Raumschiff. San­tiago Calatravas futuristischer Opernbau in Valencia weckt viele Assoziationen. Die schwebende, spektakulär aufgebrochene Kubatur, die kühn geschwungenen, scheinbar alle Gesetze der Statik außer Kraft setzenden Formen des «Pa­lau de Les Arts Reina Sofia» dokumentieren nicht nur die Möglichkeiten einer Architektur, die sich technisch, konstruktiv, ästhetisch auf der Höhe unserer Zeit bewegt. Das aus Beton, Stahl und Glas in ein trockengelegtes Flussbett implantierte Haus ist ebenso zeichenhafte Skulptur, ein Symbol und Memento des 21.

Jahrhunderts. Hoffnung und Hybris, Aufbruch und Absturz, Wagnis und Wolkenkuckucksheim – die Paradoxien der Gegenwart scheinen eingeschrieben in seine weißstrahlende Oberfläche. Suchten Wagners Götter heute nach einem Baumeister für Walhall, sie träfen mit Calatrava nicht die schlech­teste Wahl.
Ein Opernwalhall der Zukunft hat auch Palau-Intendantin Helga Schmidt im Sinn, wenn sie über das künstlerische Profil des neuen Gebäudes spricht. Modernste Licht-, Projektions- und Computertechnologie möchte sie auf der Bühne sehen, die Gestalt des Baukörpers in der Gestaltung der Produktionen reflektiert wissen. Inhalt ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2007
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Albrecht Thiemann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Zwischen Stil und Style

Er kam und sah. Von Siegen freilich konnte die Rede nicht sein. Dieser Cesare, ein junger Mensch in Windjacke und Freizeithosen, sah eher nachdenklich ins Publikum, und auch sein «Presti omai l’egizia terra le sue palme al vincitor» klang nicht nach Siegerpose, sondern – bei aller lebhaften Mimik – eher distanziert. Dies alles passierte im April bei Händels «Giulio...

Der Weg ist das Ziel

Das Beste am Christentum sei, dass es Ketzer hervorgebracht habe, bemerkte der Philosoph Ernst Bloch einmal. Ob José Maria Sánchez-Verdú die Schriften Blochs kennt, sei hier dahingestellt. Doch eines haben der deutsche Denker, der bis zu seinem Tod 1977 mit Marx- und Engelszungen die Utopie einer im Diesseits erlösten Welt predigte, und der 1968 geborene spanische...

Mozart aus Neapel und Wien

Der viel gerühmte Wiener Mozart-Stil der Nachkriegszeit wurde wesentlich von der Arbeit des Dirigenten Josef Krips geprägt, einem uneitlen, sensiblen Musiker, der beim Probieren zugleich ein Präzisionsfanatiker war. Dass er nur zwei Mozart-Opern, «Die Entführung aus dem Serail» und «Don Giovanni», auf Schallplatten einspielen konnte, ist zu bedauern. Desto mehr...