Small is beautiful
Es ist noch gar nicht so lange her, da war die Bowery im Süden Manhattans eine miserable Adresse. Verbarrikadierte Shops, zugemüllte Gehsteige, Autowracks, Schnapsleichen: urbanes wasteland. Touristen, hieß es, sollten das Gebiet zwischen Little Italy und Lower East Side lieber meiden. Dreißig Jahre später ist die Gegend kaum wiederzuerkennen, scheint ihre re-gentrification im Expresstempo voranzuschreiten. Wer sich heute etwa für eine der schicken (Single-)Wohnungen interessiert, die hier gebaut wurden, muss mit Kaufpreisen von deutlich über einer Million Dollar rechnen...
Nur das schmale Haus mit der Nummer 319 trotzt offenbar – wie seit eh und je – den flatterhaften Zeitläuften. Das liegt vor allem daran, dass oben im zweiten Stock, schätzungsweise fünfzig steile Stufen oberhalb des Straßenniveaus, noch immer Anthony Amato wirbelt, der Gründer und Leiter des vermutlich winzigsten Musiktheaters der Welt. Seit bald sechzig Jahren veranstaltet der kleine Mann große Oper: Mozart, Humperdinck, Verdi, Puccini.
In der laufenden Saison gibt es zum Beispiel «Figaro», «Rigoletto», «La forza del destino» und «Madama Butterfly». Meist mit Klavierbegleitung, manchmal spielt auch ein ...
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In seiner Klage über das Fehlen von komischen Opern sagt Peter Cornelius, die Deutschen hätten zwar ihre Tragiker gehabt, aber ein Aristophanes sei noch nicht da gewesen. Es ist zweifelhaft, ob Walter Braunfels rund fünfzig Jahre später das auch von Friedrich Nietzsche herbeigesehnte aristophanische Gelächter im Sinn hatte, ob er also mit seiner Vertonung der...
Für die Semiseria «Torvaldo e Dorliska», die er im Herbst 1815 zwischen «Elisabetta» und «Barbiere di Siviglia» für das römische Teatro Valle komponierte, hatte Rossini wie so oft nicht viel Zeit und hat sie deshalb mehr oder weniger aus bewährten Versatzstücken zusammengefügt. Der Eindruck ist entsprechend uneinheitlich: viel schönes Sängerfutter, aber wenig...
Ein Blick genügt, das Drama zu schauen. Wo gewöhnlich Fauteuils sich befanden, teure Teppiche, kristallene Leuchter, schmucke Vasen und imposante Spiegel, da steht jetzt, im Deutschen Theater Berlin, vor geschlossenem rotem Vorhang, nicht mehr als ein braunlederner Dreiteiler auf einer Spielfläche von höchstens neun Quadratmetern. Nichts ist übrig geblieben vom...
