Belcanto-Sieg über Tyrannen-Willkür
Für die Semiseria «Torvaldo e Dorliska», die er im Herbst 1815 zwischen «Elisabetta» und «Barbiere di Siviglia» für das römische Teatro Valle komponierte, hatte Rossini wie so oft nicht viel Zeit und hat sie deshalb mehr oder weniger aus bewährten Versatzstücken zusammengefügt. Der Eindruck ist entsprechend uneinheitlich: viel schönes Sängerfutter, aber wenig szenische Atmosphäre.
Dabei ist das Sujet, das in Cesare Sterbinis Libretto eher schludrig verarbeitet wird, durchaus interessant, da es – wie Beethovens «Fidelio» und Cherubinis «Lodoïska» – der Gattung Schreckens- und Befreiungsoper zuzurechnen ist.
Der Herzog von Ordow, ein lüsterner Finsterling, hat Dorliska in seine Gewalt gebracht und ihren Gatten Torvaldo vermeintlich getötet. Doch der hat den Anschlag überlebt und taucht inkognito im Schlosse auf. Als Dorliska in ihrer Freude seine Identität preisgibt, wird er in den Kerker geworfen. Der zweite Akt bringt die Befreiung, die weitgehend – und das ist neu in der Gattung – in den Händen des Bassbuffos liegt (Giorgio, Ordows Verwalter). Auch dessen Frau Carlotta und Ormondo, der Anführer der Wache, bringen buffoneske Töne in das finstere Geschehen.
Die letztjährige ...
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