Wahnsinn der Normalität
Zwei Werke, die auf den ersten Blick nichts miteinander gemein haben, Tschaikowskys lyrische Szenen «Eugen Onegin» und Richard Strauss’ Musikdrama «Elektra», rückten bei einer Doppelpremiere an der Deutschen Oper am Rhein nahe aneinander. Beide Male sind es Alpträume der weiblichen Hauptfiguren, mit denen die Regisseure – Giancarlo del Monaco im «Onegin» und Stein Winge in der «Elektra» – uns konfrontieren.
Das ist für den im Wien Sigmund Freuds entstandenen Text Hofmannsthals gewiss keine neue, umstürzende Lesart, wohl aber für Tschaikowskys musikalisches Schauspiel nach Alexander Puschkins Versroman.
Del Monaco hat sich von Johannes Leiacker einen Einheitsraum bauen lassen: eine schneeverhangene Todeslandschaft voller kahler, verkohlter Bäume – ein Einfall, für den Caspar David Friedrich Pate stand. Surreal bedrückend wird die realistisch imaginierte Szenerie durch Tatjanas eisernes Bett, ihren Flucht- und Rückzugsort, das uns als Requisit den ganzen Abend begleitet. Kalter, milchiger Nebel (Licht: Volker Weinhart), der sich kaum einmal aufhellt, taucht Handlung und Personen in ein lastendes Grau.
Vor diesem eindrucksvollen Bild, das die Kammerspiele Tschechows heraufbeschwört, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Herr Kuˇsej, Sie sollten 2004 in Bayreuth «Parsifal» inszenieren und inszenieren nun «Carmen», von Nietzsche als Gegengift zu Wagner empfohlen. War das Ihr Wunsch?
Nein, ich habe nie Wünsche in der Oper. Ich lasse mich gern verführen von Dirigenten oder Intendanten, die glauben, dass ich das eine oder andere Stück mit ihnen machen soll. Ich hatte große Vorbehalte...
Eine veritable Rakete an Farben, Geschichten, Bewegung. Abgefeuert haben sie Regisseur und Bühnenbildner Nigel Lowery und der persische Choreograph Amir Hosseinpour. Gebaut hat sie, vor fast zweieinhalb Jahrhunderten Jean-Philippe Rameau. Nachdem Lowery vor Jahren nach einer provokativen «Hänsel und Gretel»-Inszenierung beinahe aus der Stadt gewiesen worden wäre,...
Das Spektrum ist groß. Immens groß. Es reicht von Loïe Fullers innovativem Tanz um 1900 bis zu dessen Vereinnahmung durch das Video, von Hindemiths Einaktern bis zu modernen Blinden- und Gerhörlosenstücken. Das experimentelle Musik- und Tanztheater des 20. Jahrhunderts auf knapp 400 Seiten zu einer Art Handbuch zu verknappen, ist so schwierig, wie den Kölner Dom...
