Verdi: Attila
Verdis wilde Männer: Bald nach dem «Nabucco» ließ sich der Komponist von Attila fesseln, der «Geißel Gottes». Eine Paradepartie für Bässe, die Belcanto mit Ausdrucksgewalt zu verbinden wissen. In Gelsenkirchen setzt Nicolai Karnolsky seine robuste Stimme wirkungsvoll ein, wird allerdings von Jee-Hyun Kims Ezio in die Schranken verwiesen, ein Hüne in Gestalt und Stimme. Obwohl sie als rachedurstige Odabella ihren lyrisch grundierten Sopran eigentlich überfordert, beeindruckt Regine Hermann mit schlanker Intensität, wobei diese Formulierung auch auf ihre Bühnenerscheinung zielt.
In hautengem Fantasy-Kostüm (Ulli Kremer) becirct ihre coole Erotik.
Psychologische Stichhaltigkeit hat, fast möchte man sagen Gott sei Dank, Regisseur Andreas Baesler nicht im Sinn. Erfreulicherweise versucht er nicht krampfhaft, die plakativen Wirkungen der Oper zu kaschieren. Es wird also vehement geliebt, gefeilscht und gestorben. Alle, aber auch alle Protagonisten fallen ihren übersteigerten Gefühlen zum Opfer: ein Opernabenteuer ohne Wenn und Aber. Hermann Feuchter schafft mit seiner urig martialischen Szenerie einen wirkungsvollen Bildrahmen, freier Horizont lässt wirkungsvolle Projektionen und ...
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Der ultimative «Eugen Onegin» ist dieser Mitschnitt aus der Wiener Staatsoper nicht, er hält lediglich ein regionales Ereignis fest: die mit berühmten Stimmen besetzte erste Wiener Aufführung der Oper in der russischen Originalsprache.
Das Unternehmen krankt schon vom Pult aus. Seiji Ozawa sucht das, was er für «russische Seele» hält, durch lähmend langsame Tempi...
Es wäre ja so leicht, den Allegro-Molto-Teil der «Don Giovanni»-Ouvertüre vorzubereiten, meinte Peter Gülke auf dem jüngsten Symposion im Berliner Institut für Musikforschung. Ein dezenter Auftakt am Ende des einleitenden Andante, schlagtechnisch kein Problem. Genau das machte Furtwängler aber nicht. Er riskierte mit dem Allegro einen Neuanfang, beließ damit dem...
Friedrich Nietzsche hat den stilistischen Sonderstatus von Georges Bizets «Carmen» wohl als Erster metaphorisch auf den Punkt gebracht: «Diese Musik ist heiter», schrieb er 1888, dreizehn Jahre nach der skandalumwitterten Uraufführung an der Pariser Opéra Comique, «aber nicht von einer französischen oder deutschen Heiterkeit. Ihre Heiterkeit ist afrikanisch; sie...
