Verdi: Attila
Verdis wilde Männer: Bald nach dem «Nabucco» ließ sich der Komponist von Attila fesseln, der «Geißel Gottes». Eine Paradepartie für Bässe, die Belcanto mit Ausdrucksgewalt zu verbinden wissen. In Gelsenkirchen setzt Nicolai Karnolsky seine robuste Stimme wirkungsvoll ein, wird allerdings von Jee-Hyun Kims Ezio in die Schranken verwiesen, ein Hüne in Gestalt und Stimme. Obwohl sie als rachedurstige Odabella ihren lyrisch grundierten Sopran eigentlich überfordert, beeindruckt Regine Hermann mit schlanker Intensität, wobei diese Formulierung auch auf ihre Bühnenerscheinung zielt.
In hautengem Fantasy-Kostüm (Ulli Kremer) becirct ihre coole Erotik.
Psychologische Stichhaltigkeit hat, fast möchte man sagen Gott sei Dank, Regisseur Andreas Baesler nicht im Sinn. Erfreulicherweise versucht er nicht krampfhaft, die plakativen Wirkungen der Oper zu kaschieren. Es wird also vehement geliebt, gefeilscht und gestorben. Alle, aber auch alle Protagonisten fallen ihren übersteigerten Gefühlen zum Opfer: ein Opernabenteuer ohne Wenn und Aber. Hermann Feuchter schafft mit seiner urig martialischen Szenerie einen wirkungsvollen Bildrahmen, freier Horizont lässt wirkungsvolle Projektionen und ...
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An der Wiederentdeckung des Opernkomponisten Antonio Vivaldi hat «Orlando Furioso» gewichtigen Anteil: Die weltweit ausgestrahlte szenische Produktion dieser Oper anlässlich des Vivaldi-Jahres 1978 mit Marilyn Horne in der Titelrolle machte ein breites Publikum erstmalig darauf aufmerksam, dass Händel nicht der einzige Barockkomponist gewesen ist, der Opern...
Da hat einer das Teleskop erfunden, um die Sterne der Welt zu ergründen, und ist am Ende seines Lebens blind. «Habe ich zu viel gekniet oder zu wenig», fragt sich Galileo Galilei. Wurde er von Gott gestraft, weil er seine naturwissenschaftlichen Erkenntnisse vor der kirchlichen Inquisition widerrief oder weil er tatsächlich Gott gelästert hat durch seine Einblicke...
Ihren Höhepunkt erlebt Peter Grisebachs Bremerhavener «Bohème»-Inszenierung im zweiten Bild. Da ist die Bühnenmaschinerie des vor einigen Jahren runderneuerten Großen Hauses im Totaleinsatz, wenn Podeste sich heben und senken und die Terrasse des Café Momus von der Seite zunächst herein- und später wieder hinausgeschoben wird, alles belebt von bunt kostümiertem...
