Wagners vielschichtigste Frauenfigur

Ein «Versuch über Kundry» aus wechselnder Perspektive

Opernwelt - Logo

Richard Wagner war einer der ersten Komponisten, der nicht den Notentext, sondern die Aufführung als «Werk» verstand: Ein Kunstwerk, so seine Überzeugung, existiere nur dadurch, dass es «zur Erscheinung» komme. Und für das Drama sei das nun mal die Aufführung auf der Bühne. Damit unterschied sich Wagner nicht nur von starken Tendenzen der zeitgenössischen Ästhetik (wie sie insbesondere von Brahms, Hanslick, Spitta, Kalbeck und Co. vertreten wurde), sondern er nahm Grundpositionen der späteren Theaterwissenschaft vorweg, die sich denn auch gern mit ihm auseinandersetzt.



Die Materie ist freilich komplex und erfordert einen Methodenmix der Analyse: Erst so lässt sich ein wissenschaftlicher Zugang zu den Musikdramen legitimieren. Es kann nur um den Versuch gehen, dem Gegenstand methodisch auf dem neuesten Stand zu begegnen.

Einen solchen Versuch hat die Japanerin Chikako Kitagawa mit ihrer nun im Druck vorliegenden, an der Freien Universität Berlin entstandenen Dissertation unternommen. Dass die Formulierung vom «Versuch» im Titel des Buches auftaucht, dürfte weniger als Gruß an Adornos «Versuch über Wagner» gedacht sein (der natürlich in die Analyse hereinspielt), sondern als Zeichen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2016
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 30
von Stephan Mösch

Weitere Beiträge
Paradestimmen

Grau verhangen, öde ist diese Landschaft. Seile hängen ins Bild. Verkohlte Sparren, bröckelnde Grabsteine, bandagierte Leichen, Betonbunker. Wie ein schwarzer Faden zieht sich dieses Ambiente durch Daniele Abbados «Attila»-Inszenierung, die als Koproduktion mit Venedigs La Fenice und dem Teatro Massimo in Palermo entstand. Bekanntlich geht es in Verdis neunter Oper...

Klartext

Die Sache liegt lange zurück. Sehr lange. Drei Jahrzehnte waren verstrichen, als sie wieder zum Vorschein kam. Allerdings erst auf den zweiten oder dritten Blick. Und sichtbar wurde sie nur für Zeitzeugen, denen plötzlich wieder einfiel, was damals wirklich vorgefallen war. Die wussten, was hinter der pauschalen Kritik an jenen damals jungen Opernregisseuren der...

Irrlichtern im Labyrinth

Berlioz hatte kein Glück mit seinen Opern. «Benvenuto Cellini» wurde an der Pariser Opéra nach nur sieben Aufführungen abgesetzt, «Les Troyens» erst 1968, ein Jahrhundert nach dem Tod des Komponisten, vollständig realisiert. «Béatrice et Bénédict», sein letztes Bühnenwerk, fand 1862 bei der Uraufführung im Kurtheater von Baden-Baden freundliche Zustimmung, aber...