Sonnenkönigskunst
Der fruchtbaren Zusammenarbeit der beiden wichtigsten Bühnenkünstler unter Ludwig XIV. – Molière und Jean-Baptiste Lully – haben wir eine eigene Gattung zu verdanken: die Comédie ballet. Im Falle der aktuellen Tourneeproduktion von «Monsieur de Pourceaugnac» präsentiert sie sich eher als Sprechtheater mit musikalischen Einschüben denn als Musiktheater mit eingeschobenen Dialogen. Für Barockmusik-Fans, die sich von den Namen William Christie und Les Arts Florissants nach Versailles locken ließen, mag das eine kleine Enttäuschung gewesen sein.
Nichtsdestotrotz lohnt sich der Besuch. Regisseur Clément Hervieu-Légers zieht zwar die Burleske der bissigen Ironie zu sehr vor – bei allem Witz ist das Stück eines von Molières grausamsten, der Titelfigur wird wirklich übel mitgespielt –, doch er versteht sich auf Rhythmus und Drive, hat überdies mit Gilles Privat als «Herr Ferkel» einen fabelhaften Schauspieler zur Hand. Das zehnköpfige Kammerensemble der Arts Florissants mit Christie am Cembalo fühlt sich mit Lully hörbar pudelwohl. Und die Sänger werden mit großem Geschick in die Handlung einbezogen. Fazit: ein etwas bescheiden dimensioniertes, doch durchaus erfrischendes Projekt.
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Opernwelt März 2016
Rubrik: Magazin, Seite 84
von Christian Merlin
Enrique Granados ereilte der Tod auf der Heimreise von einem seiner größten Erfolge. Zu Beginn des Jahres 1916 hatte die New Yorker Met seine Oper «Goyescas» uraufgeführt, doch während der Rückreise in die spanische Heimat torpedierte ein deutsches U-Boot das britisch-französische Fährschiff «Sussex». Der Pianist und Komponist hatte gleich mehrfaches Unglück im...
Oft saß er im Wirtshaus und notierte Gesprächsfloskeln, Sprechtonfälle, Satzmelodien, sog den mährischen Sprachklang ein wie ein Schwamm, ließ seine Kompositionen davon überfließen, begegnete dabei der seltsam «hinkenden» Sprechweise dieses Landstrichs, ihrem unorthodoxen Sprachrhythmus unendlich liebevoll. Atemlos hingefetzt manchmal die Notenschrift, in ihrer...
Owen Wingrave», die vorletzte Oper des bekennenden Pazifisten Benjamin Britten nach einer Erzählung von Henry James, entstand 1970 – in der Endphase des Vietnam-Krieges – als Auftragswerk für das britische Fernsehen. Britten und seine Librettistin Myfanwy Piper nutzten mit schnellen Wechseln und Simultanszenen virtuos die Möglichkeiten der filmischen Dramaturgie....
