Heikles Doppel

Anna Caterina Antonacci führt an der Opéra Royal de Wallonie in Liège Boulevard und Drama zusammen: Wolf-Ferraris «Il segreto di Susanna» und Poulencs «La Voix humaine»

Opernwelt - Logo

Mut zu Raritäten, präsentiert in konservativer Ästhetik: So könnte man die Eckpfeiler des künstlerischen Konzepts von Intendant Stefano Mazzonis di Pralafera umreißen, der seit 2007 das Königliche Opernhaus in Lüttich leitet. Sein Spielplan bietet Renner wie «La traviata» und «Die Zauberflöte». Aber eben auch Seltenes aus der zweiten Reihe wie Verdis frühen «Ernani» oder Rossinis «La scala di Seta».

Die Zahlen scheinen Mazzonis’ Strategie der Mischkalkulation zu bestätigen: Das 2012 nach einer Grundsanierung neu erstrahlte Haus kann inzwischen eine Traumauslastung von 97 Prozent nachweisen und hat nach eigener Auskunft den Anteil junger Besucher auf 30 Prozent erhöhen können. Auch mittels extrem günstiger Preise: Für Menschen unter 26 Jahren ist ein Ticket schon ab vier Euro zu haben und damit weit billiger als eine Kinokarte.

Das Publikum lässt sich selbst an einem regengrauen Sonntagnachmittag bereitwillig zur Premiere von zwei Einaktern des 20. Jahrhunderts ins Opernhaus locken. Zwischen Ermanno Wolf-Ferraris heiterem Intermezzo «Il segreto di Susanna» von 1909 und Francis Poulencs existenziellem Monolog «La Voix humaine» von 1959 ist auf den ersten Blick selbst mit scharf ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Regine Müller

Weitere Beiträge
Eingeschränkte Sicht

Eigentlich ist diese DVD nicht rezensierbar. Denn der für die Bildregie verantwortliche Tiziano Manchini und sein Team haben die Aufführung des Dresdner «Freischütz» nicht in den Griff bekommen. Genauer: Sie sind an ihrem Dunkel gescheitert. Von der Wolfsschlucht sieht man so gut wie gar nichts, auch die anderen Szenen versacken. Zudem war die Kameraaufstellung...

Ausgezeichnet

Sieben Stücke für das Musiktheater hat er geschrieben, darunter ein Werk über «Gilgamesch», das älteste Epos der Literaturgeschichte, und eine Reflexion über den Orpheus-Mythos: «Der unendliche Gesang». Das Unabschließbare, Uneinholbare, Ungeordnete ist überhaupt der mentale Ausgangs- und Angelpunkt des Komponisten, dem das Kuratorium der Ernst von Siemens...

Aus dem Geist der Sinfonie

Der verneinende Geist hat Konjunktur, auch auf Opernbühnen. Zu Beginn der Spielzeit München, an Pfingsten Baden-Baden – dazwischen jetzt Freiburg: Arrigo Boitos «Faust»-Oper mit der gezielten Titelwahl «Mefistofele» scheint Regisseure und Dramaturgen herauszufordern. «Und was in schwankender Erscheinung schwebt / Befestiget mit dauernden Gedanken.» Das Schweben...