Wagner: Die Walküre
«Ringe» allerorten. Wenn einer darunter sich apolitisch gibt, dann der an der Opéra national du Rhin. David McVicars Wagner-Deutung überführt die Mythologie im Ambiente von Rae Smiths schrundigen Wänden samt urig-knorriger Esche und metallschicken Designer-Bergeshöhen in eine zeitlose Auslegung der menschlichen Tragödie. Auf den ersten Blick fällt «Die Walküre» dabei weit weniger originell aus als das unterhaltsame Fantasy-«Rheingold». Konventionell, am Text entlang, déjà vu – ganz falsch ist das rasche Abwinken der Enttäuschten nicht. Aber voreilig.
Denn McVicar ist ein viel zu guter Menschenanleiter, um nicht darüber hinaus zu gelangen.
Dass Hunding sich, selbst bei Tisch, mit einem ostasiatisch anmutenden Hilfstrupp umgibt und Siegmund später regelrecht absticht, verdankt sich der Detailarbeit des Regisseurs. Und dass er Brünnhildes Grane und all die Walkürenrösser von Athleten auf Metallstelzen und mit Alu-Pferdeköpfen zu einem hoppelnden Ballett überreizt, nimmt man mit der Zeit etwas genervt hin. Ausschlaggebend bleibt indes die mit vielen genauen Beobachtungen genährte Tragödie Wotans zwischen Wollen und Müssen, bleibt Brünnhildes von ihrer Emotionalität diktierter ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Am Ende stehen drei Kreuze: In lichtem Lohengrin’schen A-Dur, der in ihrem doppelten Symbolgehalt – sie steht zugleich für Golgatha und die heilige Trinität – wohl christlichsten aller Tonarten, verkündet der Chor am Ende von Walter Braunfels’ Jeanne d’Arc-Oper den Sieg des Glaubens. Die Befreierin Frankreichs ist zwar auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden, doch...
Ein Novum: Philharmoniker (West) und Staatskapelle (Ost) spielen zeitgleich unter dem Chef des jeweils anderen Orchesters, sogar die Programme hat man abgestimmt. Der gemeinsame Nenner: Maurice Maeterlincks tristaneske Mär von «Pelléas et Mélisande». Daniel Barenboim dirigiert in der Philharmonie die berühmte Sinfonische Dichtung, die Schönberg, von Richard...
Ernst Kreneks «Johnny spielt auf» und Erwin Schulhoffs «Flammen» in einer Spielzeit: Das Pfalztheater Kaiserslautern traut sich was. Eine Stückewahl, die man im nicht gerade theaterprallen Rheinland-Pfalz eher beim Mainzer Staatstheater vermuten würde. Und das auf teils sehr beachtlichem Niveau.
Die Grundprobleme, die Schulhoffs einzige Oper von 1929 an jede...
