Lohnende Prüfung
Ernst Kreneks «Johnny spielt auf» und Erwin Schulhoffs «Flammen» in einer Spielzeit: Das Pfalztheater Kaiserslautern traut sich was. Eine Stückewahl, die man im nicht gerade theaterprallen Rheinland-Pfalz eher beim Mainzer Staatstheater vermuten würde. Und das auf teils sehr beachtlichem Niveau.
Die Grundprobleme, die Schulhoffs einzige Oper von 1929 an jede Aufführung stellt, sind freilich auch hier evident: Die expressionistisch-episodische Anlage dieser speziellen Don-Juan-Szenen macht eine schlüssige Umsetzung schwierig, bleibt auch in üppiger Bebilderung eine Herausforderung. Regisseur Urs Häberli erzählt detailreich, à la «Hoffmanns Erzählungen»: Sein Don Juan durchlebt im vielfach verwendbaren Bühnenbild von Thomas Dörfler diverse Phasen und Fantasien, La Morte ist stets dabei wie die Offenbach’sche Muse, drei der Frauenfiguren verschmelzen in einer Darstellerin.
Die apart in die dichte, spätromantizistische Partitur eingeflochtenen Mozart-Zitate, die sich Schulhoff gegönnt hat, finden sich auch in der Regie wieder, etwa wenn der Komtur wie ein Standbild aufgefahren wird. Zu den virtuosen Jazz-Implementen des Komponisten schimmern transparente Bühnenvorhänge, dahinter ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Bezaubernd schön ist dieses Bild nicht. Eher bestürzend, tragikomisch. Aber es ist ein wichtiges, ein wesentliches Bild. Weil es in seiner vorgeblichen Trivialität poetische, bedrohliche Sprengkraft birgt, weil es so viel (aus)sagt über die genialische Kunst Achim Freyers, Musik und Geschichte in einen Rahmen zu setzen, in dem sie aufgehoben sind, ohne einander...
Die früh verstorbene amerikanische Mezzosopranistin Jean Madeira (1918-1972) war in ihrer Generation eine zentrale Protagonistin in Bizets «Carmen», die sie nach ihrem Rollendebüt an der Met (1956) über zweihundertmal in aller Welt gesungen hat. Dass ihr Nachruhm aber nicht mit dieser Rolle, sondern eher mit der Klytämnestra in der Strauss-Oper in Verbindung...
Fällt der Name Salzburg, so assoziiert fast jedermann die «Mozart-Stadt»; und ebenso selbstverständlich firmieren Bonn als «Beethoven-Stadt», Frankfurt als «Goethe-Stadt». Geburtsorte von Prominenten stiften lokale Identität, metaphysisch überhöht. Das Charisma des Genies adelt, ja heiligt die triviale Stätte, macht sie zur irdischen Station des Ewigen, gar zum...
