Voyage intime

Sandrine Piau und David Kadouch wandeln auf den Spuren des deutschen und französischen Kunstlieds

Opernwelt - Logo

Sandrine Piaus neuestes, gemeinsam mit ihrem inspirierenden Klavierpartner David Kadouch konzipiertes Liedprogramm ist ein Bekenntnis. Es lädt zu einer intimen Reise an die vergangenen, erinnerten, ersehnten und unerreichbaren Orte unseres Lebens ein – «bis hin zum letzten Weg in den Tod», wie sie selbst sagt. Gereist wird in zwei Sprachen, zwei Musikkulturen, auf Deutsch und Französisch – man darf dies ebenfalls als ein Bekenntnis verstehen.

Im Gepäck befinden sich einige der populärsten Lieder des Repertoires – Mörike-Vertonungen von Hugo Wolf, Goethe-Vertonungen von Franz Schubert sowie Baudelaire-Vertonungen von Henri Duparc und Claude Debussy. Für die erwünschte genderaffine Diversität sorgen Kompositionen Clara Schumanns und Lili Boulangers. Die Klammer ums Ganze setzen zwei konträre Lieder des musikalischen Weltbürgers Franz Liszt: «Der Fischerknabe» auf einen Text aus Schillers «Wilhelm Tell» und «Comment, disaient-ils» auf Verse Victor Hugos. 

Sandrine Piau kann sich ein solches Programm leisten und besteht dessen Herausforderung – sprachlich, stimmlich, intellektuell. Sie hat ihre schlanke, gut geführte Stimme technisch wie interpretatorisch nach wie vor voll im Griff. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2023
Rubrik: CDs, DVDs und Bücher, Seite 30
von Uwe Schweikert

Weitere Beiträge
Intensitäten

Francis Poulencs vierzigminütiger Monolog «La voix humaine» ist eine Tour de force für eine Sopranistin. Auf der Szene dieser 1959 an der Pariser Opéra-Comique uraufgeführten dritten und letzten Oper des großen französischen Lyrikers steht nur eine einzige Person, eine namenlose, «Elle» («Sie») genannte junge Frau. Ihr Geliebter hat sie verlassen. In einem...

Ein Funken Trost

Die sanften Akkorde verbreiten Geborgenheit. Die helle, knabenhafte Stimme von Roman Melish berührt in ihrer Zerbrechlichkeit. «Du holde Kunst, in wieviel grauen Stunden», singt der ukrainische Countertenor. «Hast du mein Herz zu warmer Lieb’ entzunden, hast mich in eine bessre Welt entrückt!» Für diesen besonderen Liederabend Ende November 2022 mit dem von Franz...

Russlands Seele

Der Feind kann Russland nicht brechen», dröhnt es einem auf der Zielgerade entgegen, normalerweise jedenfalls. Und: «Wir schmettern den Feind in den Staub.» Selbst ohne tägliche «Tagesschau»-Dosis sind diese letzten Minuten schwer erträglich, Sergej Prokofjew lässt hier Chor und Orchester heiß- und leerlaufen. An der Bayerischen Staatsoper dröhnt die Stelle auch,...