Wonne und Wehmut
Ein Triumph. Und zwar auf beiden Ebenen: musikalisch wie inszenatorisch. Nicht anders beschreiben lässt sich, was Ende Januar, Anfang Februar in der Semperoper zu erleben war. Nun war nach Christian Thielemanns umjubeltem Einspringer-Dirigat für Daniel Barenboim zu dessen Geburtstags-«Ring» an der Staatsoper Berlin eigentlich nichts anderes zu erwarten. In Dresden dürfte man sich außerdem gefreut haben, vom Hype aus Berlin zu profitieren. Bei der Kartennachfrage gab es neue Höchststände zu vermelden.
Ein Triumph war es auch deswegen, weil für die beiden zyklischen «Ring»-Aufführungen eine zwar bereits zwanzig Jahre alte Inszenierung aus den Depots hervorgeholt wurde (und nun wohl für immer in diesen verschwinden wird), Willy Deckers Ausdeutung mit aktuell kursierenden Lesarten aber (weiterhin) mühelos mitzuhalten vermag. In puncto poetischer Bildkraft wird Eindringlicheres derzeit kaum zu finden sein. Die Größe dieses von Thielemann wohl letztmalig an der Semperoper dirgierten «Rings» liegt auch im überwältigend-wirkungsvollen Ineinandergreifen von Musik und Szene. Aber der Reihe nach.
Was Willy Deckers Tetralogie-Erkundung so wohltuend abhebt von den Exegesen dieser Tage, ist ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2023
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Werner Kopfmüller
Leise rieselt der Schnee. Unablässig, dichter und dichter werdend, eine Stunde lang. Die Figuren müssen sich in dieser Winterlandschaft vorkommen wie der brave Hans Castorp aus Thomas Manns «Zauberberg», der sich bei einem Ausflug ins Gebirg’ zusehends verirrt und von den Schneemassen fast zugeschüttet wird. Eine Grenzerfahrung birgt auch Romeo Castelluccis...
Auch nach zweimaligen Lesen staunt man ungläubig: Die spielen das Stück tatsächlich dort. Im ehemaligen Augsburger Gaswerk, wo die Brecht-Bühne des Staatstheaters beheimatet ist. Normalerweise wäre das nicht weiter erwähnenswert, doch auf dem Spielplan steht «Das Tagebuch der Anne Frank». Und bevor das Kopfschütteln überhandnimmt, geht die Inszenierung von Nora...
JUBILARE
Aus dem oberfränkischen Rehau stammt der dort am 15. April 1953 geborene Klaus Angermann. Er studierte Musikwissenschaft an der Freien Universität Berlin sowie an der Philipps-Universität Marburg und schließlich bei Helga de la Motte-Haber an der Technischen Universität Berlin. Von 1985 bis 1990 beschritt er zunächst auch eine Laufbahn als Sänger und trat...
