Vorsicht, Höhengefahr
Höhere Mächte? Werden nicht sichtbar in der Oper «Rusalka». Wankelmütige Wasserwesen und finstere Frauengestalten hingegen schon. Und wenn gegen diese nichts mehr hilft, kann man immer noch Frau Luna droben am nächtlichen Firmament flehentlich anheulen. So naturschön, so inniglich-irrlichternd wie die trübselige Titelheldin von Dvořáks Musikdrama vermag dies kaum jemand auf der Opernbühne zu vollführen. Und auch für das Studio ist Rusalkas «Lied an den Mond» bei angemessener stimmlicher Kapazität wie geschaffen.
Elsa Dreisig hat das Ges-Dur-Gebet an den Anfang ihres neuen Albums «Invocation» gestellt. Und gleich mit den ersten Tönen, in denen sie sich, vom Orchestra dell’Opera Felice Genova unter Massimo Zanetti zartfühlend begleitet, hervortastet zu Wesen, Weltanschauung und Empfindungswelt der Nymphe, zeigt die Sopranistin, über welche vokale Verführungsmacht sie gebietet. Insbesondere in der Mittellage klingt ihre Stimme sanftsamtig und seidenglänzend – man wähnt sich an einem Frühlingsabend in Arkadien, so anmutig und apart ist das.
Doch, ach, was geschieht da plötzlich? Kaum überquert Elsa Dreisig die Schneegrenze (das zweigestrichene «F»), wirft sich ein Schatten auf ihre ...
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Opernwelt April 2026
Rubrik: Medien, Seite 37
von Virginie Germstein
Exakt 200 Jahre nach seiner Londonder Uraufführung 1724 ging Händels «Tamerlano» erstmals wieder über die Bühne – in Karlsruhe. Nun, bei der Eröffnungsinszenierung der Händelfestspiele, gibt Kobie van Rensburg den Gesamtkunstwerker: Er hat Raum und Kostüme entworfen, er inszeniert, und er kreiert mit Hilfe von KI-Programmen diverse Bildebenen.
Die Illusionswelten...
Oft sind es Standardsätze. Stereotype, die aufrichtig gemeint sein mögen, aber irgendwie doch nach Pflichterfüllung klingen. An seinem Todesdatum, es war der 17. Februar, und noch Tage danach schien es allerdings, als halte die Opernwelt den Atem an, nachzulesen nicht zuletzt auf Social Media. «He never left my heart», postete etwa Nathalie Stutzmann. «A giant of...
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