Verdeckte Umverteilung
In Österreich dreht sich der Wind und pfeift der Hochkultur hart ins Gesicht. Das bisher herrschende Einverständnis über die Unantastbarkeit traditionsreicher Institutionen scheint außer Kraft gesetzt. Man bemerkt das veränderte Klima aktuell am forschen Umgang mit dem Intendanten der Salzburger Festspiele, Markus Hinterhäuser, und man spürt es erdrutschartig in Wien, jener Stadt, für die einst das geflügelte Wort galt, das mal Gustav Mahler, mal Karl Kraus in die Schuhe geschoben wird: «Wenn die Welt untergeht, ziehe ich nach Wien; dort passiert alles 50 Jahre später.
» Doch nun ist Wien hoch verschuldet und muss dringend sparen. Neulich war noch alles bestens, gerade ein Jahr ist es her, dass sich die Stadt mit einem Budget von 22 Millionen Euro in die Feierlichkeiten zum 200. Geburtstag des «Schani» stürzte. Der künstlerische Ertrag der großen Strauß-Sause fiel zwar durchwachsen aus, aber immerhin machte das Festival 2,5 Millionen Euro plus, die zurückgezahlt wurden. Der Walzerkönig ist heilig, der «Donauwalzer» ist einer der größten Exportschlager Österreichs, Strauß ist mehrheitsfähig und steht nicht unter Hochkulturverdacht. Oder jetzt doch? Wie anders ist zu verstehen, dass ...
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Opernwelt April 2026
Rubrik: Magazin, Seite 86
von Regine Müller
Auf den Stufen zur Oldenburger Friedenssäule haben es sich zwei junge Frauen in Jeansjacke und Sonnenbrille bequem gemacht. Sie blinzeln zufrieden in den Frühlingshimmel und trinken heißen Tee aus mitgebrachten Thermoskannen. Der Sockel der 6,5 Meter hohen Säule ist leer. Ursprünglich stand ein Engel aus Bronze darauf, doch der wurde 1943 eingeschmolzen, um den...
Oft sind es Standardsätze. Stereotype, die aufrichtig gemeint sein mögen, aber irgendwie doch nach Pflichterfüllung klingen. An seinem Todesdatum, es war der 17. Februar, und noch Tage danach schien es allerdings, als halte die Opernwelt den Atem an, nachzulesen nicht zuletzt auf Social Media. «He never left my heart», postete etwa Nathalie Stutzmann. «A giant of...
Entspringt es mangelnder Spielplanabsprachen zwischen den Intendanzen oder einem tieferen gesellschaftlichen Anliegen, dass derzeit Francis Poulencs Tragödie «Dialogues des Carmélites» landauf, landab, zwischen Dresden, Karlsruhe, Nancy und demnächst in Stuttgart zu sehen ist? Wollen sich auch kleinere Opernhäuser mit dem Etikett «Erstaufführung» schmücken? Oder...
